Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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JahttSschan. 1B eigentlich unberechtigt seien und die meisten Kantone der freien Schweiz für die Juden nur Unfreiheit Haben, so unterblieb die Ratisicirnng des Vertrags. Von dieser äußern, diesen Blättern an sich fern liegenden Ueberschau kehren wir zu dem Einblick in das innere Leben der Synagoge zurück, um zu vernehmen, was unsere Gegenwart über sich anssagt und was die Zukunft von ihr werde zu erzählen wissen. Wird überhaupt unsere Zeit einst Gegenstand der Geschichte sein, wird der Bericht über Inden und Judenthum aus unseren Tagen ein Blatt, in ihrem Buche füllen? Die Namen einzelner hervorragender Männer machen nicht Geschichte; sie mögen Zenguiß von der Bilduugsfähigkcit des Juden ablegcn, mögen, so lange sie sich ihres Ursprungs erinnern und für ihn lebhaft fühlen, dem Juden — nach dem beliebten Ausdruck — zur Ehre gereichen: als Träger des Judenthums können sie nicht bezeichnet werden. Selbst in den Männern, die nach ihrem ganzen Bildungsgang dem Judenthum angehören und seiner Wissenschaft ihr Sinnen und ihre Anstrengung widmen, concentrirt sich nicht die Geschichte der Juden. Die Wissenschaft ist zwar der Lebensnerv des Judenthums, aber sie muß Leben erwecken und Leben anfachen: die Sonne erwärmt nur, weil ihre Strahlen durch verschiedene Medien gehen und von einem sie auffaugenden Boden reflectirt werden. Die Geschichte der Vergangenheit liefert durch ihr großartiges Dulden und Ausharren einen wichtigen. Beitrag zur Geschichte der Menschheit. Wenn die Geschichte sich über die Scheidewand zwischen Volk und Volk zu einem allgemeinen Standpunkt erhebt und verkündet, wie der göttliche Gedanke sich im Menschen manifcstirie, wie der Mensch aus dem thierischen Zustande ausgeschieden sich allmälig für höhere Ideen begeistert und in ihnen ausgeführt, so weiset sie dem Inden einen bedeutenden Rang an : sein ganzes Sein spricht, von einer Begeisterung für die höchste Idee, für Gott. Und diese Begeisterung wurde angeregt und unterhalten von seinen Lehrern: sie standen nicht mit ihrer Wissenschaft über dem Volke, sondern sie stellten die Wissenschaft in die Mitte des Volkes. Jedermann soll für sie gewonnen, Jedermann ein lebhaftes Interesse für sie eingeflößt werden. Die großen Lehrer Israels erblickten das Leben der Wissenschaft in dem allgemeinen Leben, in der Verbreitung allgemeinenVerständnisses: „möge doch das ganze Volk des Ewigen