Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Jahresscha». 3 fertigen; und was den Vorwurf der Betheilignng an den Bewegungen jener Jahre betrifft, so könnte er höchstens nur zu einem Vorwände dienen, der aber hier doppelt des Staates unwürdig, da der Vorwurf an sich ganz ungerecht ist. Wir dürfen doch wohl hoffen, daß mail von dem mittelalterlichen Gedanken der solidarischen Verbindlichkeit der Juden abgekommen ist und man wohl nicht mehr verlangen werde, daß sie Alle für einander und für jeden Einzelnen einstehen! Die große Mehrheit der Inden hat sich als loyal, dem Staatsoberhaupte und der Staatsverfassung treu erwiesen; und wir dürfen mit Recht an eine der größten Gemeinden Deutschlands, an Prag erinnern, wo die Juden durch fast ein Jahr wegen ihrer Anhänglichkeit an -den Kaiser und des daraus hervorgegangenen Widerstandes gegen die czechischen Bestrebungen, in großer Gefahr schwebten und den fühlbarsten Unbilden und Unannehmlichkeiten ansgesetzt waren. Dem Juden ist, mau könnte sagen, Treue, gegen das Staatsoberhaupt angeboren, sic ist ihm von dm frühesten Lehrern der Mischna an bis auf die späteste Zeit als heilige Pflicht anempfohlcn worden, und nicht selten haben sich die Inden ans dem Munde mächtiger deutscher Fürsten „ treue Unterthanen" nennen hören. Welches schmerzliche Gefühl für die große, in ihrer Treue nicht schwankend gewordene Mehrheit von der kleinen Minderzahl den schadenfrohen Vorwurf zu vernehmen: „Dieses ist der gerechte Lohn des Entgegentretens gegen demokratische Bestrebungen, die Frucht ausdauernder Anhänglichkeit an die Fürsten!" Soll kn der That dem Juden die Pflichterfüllung in solcher Welse erschwert werden, will man in ihm den harten Kampf für eine Zeit erwecken, die, wenn auch nach menschlicher Berechnung fern, aber da dasmenschliche Auge schwach, doch einst, — ob nach langem oder kurzem Kreislauf, wer will hierfür einstehen? — wiederkehre» könnte, eine Zeit, in der „die Gruudsäulen wanken und-die Erde dröhnt, und Berge stürzen in das Herz der Meere, und ihre Gewässer toben und brausen": soll da im Juden der mächtige, kaum zu beschivichti'gende Kampf entstehen, wohin sich wenden, in ihm der bange Zweifel heraufbeschworen werden, was seine Pflicht sei, da ihm nur Zurückstoßung cntgegenkommt, der Sieg Derer denen er mit Treue anhängt, für ihn nur Ungerechtigkeit und abermalige Bedrohung hat? — Es bleibe dahin gestellt, ob der Jude nicht als geistige, und in mancher Hinsicht auch als materielle Macht zu mancher Zeit Einiges in die Waagschale werfen 1"