Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 1
Article
Jahresschau
Date
1853-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829150-2829152-2842643--00750-2842659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 Jahrcsscha». an der zum Bewußtsein gekommenen Humanität. Schmiedet man wieder dem Juden Fesseln so schlägt man die Menschheit in Bande, und keine von irgend höherem Geisse getragene Religion kann solches zu ihrer Förderung und Sicherstellung beanspruchen. Denn falsch ist es von Gunst gegen den Juden zu sprechen; der Jude hat vor dem Richterstuhle der Wahrheit nichts zu erbitten, nichts zu erflehen: er verlangt — fein Recht, er beansprucht — den Menschen in ihm zu erkennen. Man ist zu dieser Erkenntniß gekommen, cs ist die Wahrheit ausgesprochen worden, daß zwei mal zwei vier sei : läßt sich eine solche Wahrheit rückgängig machen? — Und je christlicher der Staat, je mehr in ihm religiöses Leben wurzelt, desto heiliger und unverbrüchlicher muß das einmal gegebene Wort sein. In der Diplomatie mag einem Ausdruck verschiedenfache Deutung unterlegt werden: auf dem Gebiete der Religion darf nur Licht/ darf nur Wahrheit herrschen, jeden Vorwand, diese zu umgehen, muß sie als V o rwand zurückweisen. Jener harte Vorwurf Amurath's gegen Wladislaw: „So hält ein christlicher König sein Wort", war die eigentliche Niederlage, die die Christenheit bei Varna erlitt: und nichts dürfte mehr zur Unterwühlung des christlichen Staates, nichts mehr zu seiner Herabwürdigung in den Augen vieler Tausende beitragen, als die Zurücknahme des diesen Tausenden gegebenen Wortes. Darum konnte vor noch nicht langer Zeit die Behauptung ausgesprochen werden: „Die Sonderstellung der Juden ist nun beseitigt, und Sorge für die Zukunft hegen, verbietet der Glaube an Treue und Redlichkeit." Mag eine im Finstern schleichende Partei ihre Absichten hinter dem Schilde des christlichen Staates verbergen: sie setzt die Ehre des Glaubens unwürdigen Interessen nach; jene Männer, die den Juden als Nichtbekenner des Christeuthums ausschlicßen wollen, sind des Christenthums eigentliche Feinde, durch sie >vird dessen sittlicher Werth in Frage gestellt. Das vom Staate gegebene Wort ist heilig, ist den Unterthanen gegenüber unverbrüchlich: keine Casuistik vermag ein solches Wort zu lösen; je sittlicher die Grundlagen des Staates , je mehr wird er eine Lösung zurückweisen: „Glaube an Treue und Redlichkeit" ist die Grundbcdiugüng jedes Bekenntnisses, wie jedes Staatenverbandes. Darum hat unsere frühere Hoffnung noch wenig an ihrer Zuversichtlichkeit verloren. Denn auch der Bruch mit der Revolution kann nicht einen Bruch an Treue und Menschheit recht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.