Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Briese aus London. Exemplar des Iad Hachasaka von Maimonides, und Tur. Sehr bemerkenswerth ist in der großen Autographensammlnng (im Vorbeigehen die vielleicht für manchen Leser interessante Notiz, daß auch die Magna Charta mit der Unterschrift des Königs Johann ohne Land und seiner Barone hier antographifch ausbewahrt und dem Publicum zugänglich ist) ein Bries von einem italiänischen Rabbiner an Heinrich VItl. Dieser scheidelustige König, der aus die eigenthümlichsten Weisen, im Guten oder im Bösen, von seinen Gemahlinnen loszukommen suchte, hatte sich auch an einen Rabbiner in Italien — wahrscheinlich als er seine erste Gemahlin Katharina trotz des Protestes des Papstes verstoßen wollte — mit einer Anfrage über Scheidungen gewendet. Die Antwort, die wie angenommen werden darf, die Scheidung als nach dem mosaischen Gesetze erlaubt darstellt, ist im Musäum authographisch aufbewahrt. H. Ich darf säst mit Sicherheit annehmen, daß Sie, da dieser Brief Ihnen von den confessionellen Verhältnissen unserer Glaubensgenossen in England erzählen soll, schon auf dem Sprunge sind, mit mir ins Gotteshaus zu treten: dort vermuthen Sie wird der Centralpunkt des Berichts und die Centralisation des religiösen Lebens sein. Doch beflügeln Sie nicht zu sehr Ihren Schritt: Sie werden nicht vereinzelten Spuren, sondern einem kräftigen pulsirenden Leben auch vor dem Eintritte in den geweihten Ort begegnen. Der Ausdruck des Engländers ist Charakter: was er als gut und erprobt erkennt dem bleibt er unter allen Umständen treu; und dieses ist es auch was ich Ihnen im vorhergehenden Briefe als einen Grundzug unserer englischen Glaubensbrüder anpries. Man muß in London einige Zeit gelebt haben, um, wenn auch nur annähernd, das Wesen dieses Volkes begreifen und würdigen zu können. Der Deutsche belächelt oft den Briten, daß er sich nicht in Theorien vertiesen, sich so selten über die Wirklichkeit zum Idealen zu erheben vermag; aber der Deutsche schwelgt in Visionen und Träumen und kann es nicht zur Wirklichkeit bringen, der Engländer hat Wirklichkeit: und wie hoch stehet Englands politisches und bürgerliches Leben dem unserigen gegenüber! Der Deutsche schwebt stets in der Höhe, Grübeln und Philosophien ist aus Mangel manches Bessern seine Lieblingsbeschäftigung, dafür schwankt ihm stets der Boden und er weiß nicht einen festen Standpunkt aufzufinden; der Engländer stehet auf eigenen Füßen, er idealisirt sich nicht erst ein Leben sondern er hält das Leben fest und gibt ihm eine Konsistenz. Darum ist der Deutsche stets ein Sclavo der Verhältnisse; der Engländer, der eine Festigkeit in sich hat, macht die Verhältnisse sich