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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1851-10-01 · Heft 1 (Oktober 1851) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 1 (Oktober 1851)
Article
Briefe aus London
Date
1851-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Briefe aus London. 23 unterthan. Und hierin werden Sie den Schlüssel zu manchen Wahrnehmungen finden, die sich Ihnen darbieten werden. Was in dem englischen Juden zumeist hervortriit, ist seine unverhohlen ausgesprochene Anhänglichkeit an den Glauben. Ich will hiermit nicht hindeuten auf den Eifer für Emaneipation, der in der vorigen und der diesjährigen Session so offen und fast zu stürmisch sich kundgab: auch Deutschland hat wacker seit einer Reihe von Jahren gekämpft, und es wäre kühn entscheidenfizn wollen, ob der Kampf dem Glauben oder dem Rechte des Menschen gegolten. Aber unser britischer Neligionsbruder tritt hervor wo es je dem Frommen und Guten gilt; an der Spitze aller religiösen und wohlthätigen Anstalten stehen die ersten Namen: die Rothschild, Montefiore, Cohen, Symens, Moses n. A. führen den Vorsitz, bethätigen sich bei den Instituten, besuchen sie häufig, üben Controlen, muntern ans und belehren, geben sich mit einem Worte ganz dem Berufe hin zu wirken und zu votSsühren im Namen des Glaubens. Und diesen regen Eifer und diese liebende Wirksamkeit finden Sie auch bei den ersten Damen Londons: die weitere Beschreibung mancher Anstalten „wird Ihnen die Belege hierfür Liefern. Der Engländer als praktischer Mann weiß, daß Gold allein noch nicht der wohlthätige Regen ist der aus dem Boden Früchte lockt; er thut das Größere, er richtet seine Sorgfalt darauf daß es seine gute Verwendung finde. Mau wirst dem Engländer Egoismus vor: in diesen Anstalten ist ein großartiges Wirken währzunehmen-; es lebt im Briten ein tiefer Ernst, darum erblickt er nicht Wohlthun im Hinwersen des Goldes, und sott nicht ein rasches Geben von der ferneru Obliegenheit befreien; er will um Gutes zu fördern sich selbst mit der Sorge der nachhaltigen Ausführung belasten. Und daß selbst die vornehmsten und mit allen Komforts des Lebens umgebenen Frauen sich aus ihren Prachtzimmern losreißen und Anstalten beaufsichtigen und die ärmsten Wohnungen besuchen, wird sie hoffentlich in den Angen der deutschen Schwestern nicht als Egoistinnen erscheinen Lassen. Daß der englische Jude, unter welchen Verhältnissen er lebe, nie anstehet, sich als Jude anszugeben, kann selbst vom praktischem Standpunkte ans ihm nicht als Verdienst angerechnet werden. Der Engländer erkennt nach dem ihm angebornen Freiheitsgefühl die Würde und das Recht des Menschen: und nie will er die Ueberzengung des Andern antasten und sie ihm verleiden. Bekannt ist, daß den Juden, die Eintrittsbiltets in dm Lhrystal-Pälast für die ganze Saison erworben hatten, das Einschreiben am Sonnabend, als ihren religiösen Gebräuchen zuwider, erlassen wurde. Der Engländer lächelt nicht hierüber: was einer Konfession heilig ist, möge ihr als solches verbleiben. Lassen Sie mich

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