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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
Date
1915-01-01
Page
Seite 284 (sequence 7)
Language
German
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284 Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. mit besonderer Energie auf das Publikandum verwiesen.« Anscheinend ist aber doch die Judenschaft dem Schlage mit Erfolg begegnet. Soweit sichere statistische Aufnahmen über die Zahl der jüdischen Schneider vorliegen, ist in allen Fällen nicht nur keine dauernde Abnahme sondern eine Zunahme derselben ersichtlich. Sie betrug in Grätz 1798: 9, 1804/5 hingegen 10, in Rawitsch 1799: 9, 1800—3 und 1805—6: 11,1804: 10, in Koschmin 1799: 21, fiel 1802 auf 10, stieg aber 1804 auf 26, in Kempen zu Ende des achzehnten Jahrhunderts 27, 1804/5 mindestens 28. Wenn die 50 Schneider in Kurnik, die etwa die kleinere Hälfte der Gemeinde bildeten, ernstlich von den furchtbaren Härten des Pubiikandums getroffen worden wären, wäre die dortige Judenschaft nicht 1803 in der Lage gewesen, mit 70 Talern und Nahrungsmitteln der abgebrannten Posener Schwestergemeinde zu Hilfe zu kommen, ebensowenig diejenige in Schrirnm, deren allergrößter Teil aus diesen bedrohten Handwerkern sich rekrutierte. Die Schädigungen des Pubiikandums wurden entweder dadurch überwunden, daß die jüdischen Schneider nunmehr die Jahrmärkte mit den Produkten ihres Fleißes bezogen oder »daß nicht überall auf die Durchführung des Pubiikandums gesehen wurde«1). Daß bei den Übertretungen des General-Judenreglements es sich nicht nur um einzelne Fälle handelte, ersieht man auch daraus, daß wichtige Verordnungen in Erinnerung gebracht werden mußten, so am 2. Dezember 1799 gegen das Hausieren auf dem Lande, am 18. Juni 1801 betreffend die lebenslängliche Amtszeit der Gemeindeältesten, am 8. April 1805 wegen des Verzuges der jüdischen Händler, Krämer und Höker in die Städte und am 18. Mai 1806 betreffend das Verbot des Kaufes christlicher Grundstücke2). An dem Beispiel Kempens läßt es sich erweisen, daß ף Histor. Monatsblätter XV 6öff., schriftliche Mitteil, des Gesamtarchivs der deutschen Juden vom 23. VII. 1914, Heppner-Herzberg S. 544, 800, Wuttke s. v. Kempen, Archiv d. jüd. Gern. Kempen Fach 25 Vol. Hi Bl. 22 ff., das Jahr 1793 S. 489, Hist. Monatsbll. a. a. O. S. 67 Anm. 3, 70, 72, 77, Ho Ische II 322. 2) Robert Schmidt a. a. O. S. 19 t., Zeitschr. d. hist. Ges. f. d. Pr. Pos. I 402, Gesch. der Juden in Lissa S. 162.

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