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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. Seite 283

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
Date
1915-01-01
Page
Seite 283 (sequence 6)
Language
German
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Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. 283 dürfnisse der Gemeinden und durch keinerlei Kenntnis der Sachläge beirrt, erscheint auch die Forderung (Kap. IV § 9), daß, »wo mehr als 35 Familien wohnen, nicht über zwei Schlächter und ein Trieberer zu publiquen Bedienten nachgegeben werden« solle. Sie scheiterte wohl gleichfalls an der Macht der Tatsachen1). Das Stirnrunzeln der;geistigen Väter des Reglements (Einleitung) darob, daß »ihre sehr große Menge die Anzahl der Juden in Unsern andern Provinzen, und in allen christlichen Staaten, gegen die christlichen Einwohner so außerordentlich übersteigt«, hat keine numerische Einbuße der jüdischen Bevölkerung Süd- und Neu- Ostpreußens hervorgerufen. Ganz im Gegenteil. Jene gleichfalls aus pharao nischer Aera bekannte Besorgnis erlebte eine starke Zunahme der Ghettibewohner, Sie stieg beispielsweise in Posen von 3021 im Jahre 1797 auf 4430 im Jahre 1801/2, in Kempen von 1308 am Ausgange des 18. Jahrhunderts auf 1653 im Jahre 1804, in Lissa von 3311 im Jahre 1796 auf 3677 im Jahre 1804, in Koschmin von 68 Familien im Jahre 1796 auf 88 Familien im Jahre 18042). Dem durch das Reglement (Kap. III § 7) auf Jahrmärkte beschränkten Hausierhandel mußten »nicht unwesentliche Zugeständnisse gemacht« werden. Aus Anlaß einer Anzeige eines übel beleumundeten Kurniker Schneidermeisters erging am 2. Dezember 1799 seitens des Ministers v. Voß ein Publikandum, das den jüdischen Handwerkern in Südpreußen, insbesondere den Schneidern, das Herumziehen auf dem Lande zwecks Ausübung ihrer Profession verbot. Das bedeutete die völlige Vernichtung eines großen Teiles dieses Handwerks, der nur in dieser Art sein Brot fand. Es half nichts, daß »Land- und Steuerrat . . . auf der Seite der Juden zu finden waren.« Anfangs 1802 wurde »nochmals 2) Vgl. Posener Staatsarchiv Dep. Lissa C XII A 4, Gesch. der Juden n Lissa S. 242, 328, זבח שמואל, Dyhernfurth 1822, S. 23 a, 30b. 2) Bergmann, Zur Gesch. d. Entwickl. deutsch., poln. u. jüd. Bevölk. in d. Pr. Posen, Tübingen 1883, S. 26, Hoische II 319, Wuttke a. a. O., Posener Staatsarchiv Kempen C 1, Gesch* der Juden in Lissa S. 134, Heppner-Herzberg S. 544.

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