Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
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256 Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. Teukros, der Babylonier, ist es (Gutschmid, Kleine Schriften II, 708), der die kostbarsten Überlieferungen über den Tierkreis feststellte. Er ist die Quelle für alle Orientalen, Griechen und Römer, die über den Tierkreis schreiben (vgl. Ideler, Ursprung des Tierkreises in den Abhdlg. d. Berl. Akad. 1838 S. 6 ff.). Er lebte im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Es ist fraglich, ob er identisch ist mit Teukros aus Kyzikos, der nach Suidas auch über jüdische Geschichte geschrieben hat. Teukros schrieb viele astrologische Schriften. Teuklosha bei Ibn Wahhsijja (904. n. Chr.) ist Teukros. Der größte arabische Astronom und Astrolog ist Abu Mä'sar (für die arabische Astrologie und den Tierkreis s. Dieterici *Propädeutik der Araber« S. 52ff.); seine Tierkreisbehandlung ist auch die Quelle für Ibn Esra. Er lebte in Wasit (starb daselbst 886) und übte den bedeutendsten Einfluß auf alle Astrologen nach ihm. (Nöldeke, Orientalische Skizzen, S. 153ff.). Der große Astronom Vettius Valens hatte im zweiten nachchristl. Jhrh. über den Tierkreis geschrieben; Rheforius, der Ägypter, im fünften. — Die astrologischen Dichter nehmen unser besonderes Interesse in Anspruch. Bei der ungeheuren Bedeutung, die der Tierkreis im Denken der Gelehrten einnahm, und bei der tiefen Bedeutung, die er für das Leben der Menschen hatte, ist es selbstverständlich, daß sich die Poesie in seinen Dienst gestellt hat. Antiochus ist ein solcher Poet der Astrologie arabischer Herkunft, der um 379 unter den älteren Autoren genannt wird (Isagoge des Porphyriös zur Tetrabiblos des Ptolemaios (Basel 1559 S. 194); Boll. Sphaira 239ff.). Der klassische, römische Poet der Astrologie ist Manilius, der zur Zeit des Augustus lebte, welcher den Steinbock offiziell als sein Sternbild erklärte, und ein Lehrgedieht »Astronomica« verfaßte1) .(Über ihn vgl. Boll, Sphaira passim). Die Byzantiner hatten eine Reihe astrologischer Dichter in ältester Zeit; der fruchtbarste ist Johannes Komateros, den man den Verseschmied genannt hat. L) s. Prinz: Zeitschr. f. d. österr. Gymnas. 1913 S. 674ff.