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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. Seite 255

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
Date
1915-01-01
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. 2 55 auch dieser besteht aus vier Abteilungen zu drei Reihen und bewirkt so die Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, vier Wechsel, von denen jeder drei Tierzeichen ausmacht in Übereinstimmung mit der Umdrehung der Sonne nach der festen, unwandelbaren und wahrhaft göttlichen Zahlenbestimmung. Deshalb wurden auch die Steine gerade dem Brustschilde des Rechts eingefügt. Denn nach fester und sicherer Rechtsbestimmung besteht der Umlauf der Jahreszeiten und, höchst wunderbar, gerade in ihrem Wechsel betätigten sie ihre ewige Dauer. Sehr schön und zutreffend ist auch die Bestimmung, daß an Farbe die zwölf Steine verschieden sind, keiner dem andern gleich; denn auch jedes Tierzeichen hat seine eigentümliche Farbe in Bezug auf die Luft, die Erde und das Wasser und ihre Zustände und auch in Bezug auf alle Arten der Tiere und der Pflanzen.« (Philo. Leben Moses, ed. Mangay, S. 153, 154). »Alle Sterne dienen den sieben Sternen der Stunden: Merkur, Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus. Und alle dienen den zwölf Sternkreiszeichen, die den zwölf Monaten entsprechen; sie sind: Lamm, Ochs, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Wage, Skorpion, Bogenschütze, Böcklein, Wassermann, Fische: sie wurden beim Schöpfungswerk erschaffen, um die Weltordnung zu leiten und ihre Gesetze« (Pirke d. R. Elieser c. VI.). Diese Vorstellung beherrschte die ganze antike und mittelalterliche Welt. Humanismus und Reformation haben die Astrologie gewaltig ausgebreitet; sie bleibt bis in das siebzehnte Jahrhundert eine große Lebensmacht (Bo 11, Sphaira S. 449, vgl. Troels-Lund, Himmelsbild und Weltanschauung übersetzt v. Bloch passim). »Die Frage über den Ursprung des Zwölfgöttersystems gleicht der über den Ursprung des Alphabets, der Maße und Gewichte; alles dies ist Gemeingut der antiken Zivilisation« (Mommsen). Alle Anzeichen jedoch sprechen dafür, daß man Babylonien *) als Urheimat dieser Dinge ansehen darf. »Wenn irgendwo, so sind in der Geschichte der Sternbilder Orient und Occident nicht mehr zu trennen« (Boll). l) Über den Tierkreis in babylonischer Überlieferung s. Jensen, Kosmologie S. 57 ff. Jeremias ATAOl 2 S. 54ff, 395ff.

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