Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
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254: Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. blätter werden gelb, die Früchte werden gepflückt; man tritt die Tenne und sammelt das Korn. Das Grün schwindet, das Antlitz der Erde wird staubig, die Vögel und das Wild wenden sich wärmeren Strichen zu, die Menschen sammeln Speise für den Winter, die Welt gleicht einer Alternden, von der sich die Tage der Jugend wenden.« Frühling und Herbst also sind die großen, mächtigen Erwecker religiöser Gefühle; die Weltherrscherin Sonne bringt sie; ihre, desMondesund der Erde, Stellung zu den Sternen des Tierkreises zu erforschen, festzustellen, zu besingen ist demnach Aufgäbe der antiken Religionen; da müssen Feste gefeiert, Hymnen gesungen werden über Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod; Auferstehung, Befreiung; Säen und Ernten! Nur, um zu zeigen, wie tief diese Dinge im Bewußtsein der größten Denker wurzelten, und wie wichtig ihnen diese Erkenntnis zu allen Zeiten erschien, führe ich eine Äußerung Philos an, die er an die große Betrachtung über die sieben Tage der Schöpfung knüpft, in der er natürlich auch den Tierkreis erwähnt; Er sagt: »Die Sonne ferner, die Herrscherin des Tages, bringt in jedem Jahre eine doppelte Tag-und Nachtgleiche hervor, im Frühjahr und Herbst; jene im Widder, diese in der Wage; und dabei gibt sie einen deutlichen Beweis von der Vorzüglichkeit der Sieben; denn jede der beiden Tag- und Nachtgleichen geschieht im siebenten Monat, und auf sie hat auch das Gesetz die Feier der größten' und allgemeinsten Feste angesetzt, weil an beiden die Erdfrüchte reifen, an der Frühjahrgleiche das Getreide und die anderen Saaten, an der Herbstgleiche die Erzeugnisse des Weinstocks und der meisten anderen Fruchtbäume« (Philo. Schöpfungsgesch., ed. Mangey .S. 28); und eine zweite Stelle, die erweist, daß der feste Glaube an den Tierkreis und seinen Einfluß unerschütterlich war: »Mit Recht sind auch auf jedem der Steine sechs Namen eingegraben, da jede Hemisphäre durch Teilung des Tierkreises sechs Tierzeichen enthält. Sind ja auch die zwölf verschiedenfarbigen Steine, auf der Brust in vier Reihen zu je drei geordnet, nichts anderes als Sinnbilder des Tierkreises. Denn