Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
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252 Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. der Ostseite auf und in der Mitte der Westseite unter, denn es heißt: »Sie geht gegen Süden und kreist gen Norden (Koh. T, 6) (Erub 56a). Nissan undTischri, Frühlings- und Herbstmonat, die Zeiten der Frühjahrs- und Herbst- Tag- und Nachtgleiche, die Zeiten der Sommer- und Winter-Sonnenwenden sind seit Menschengedenken die wichtigsten im Jahreszyklus und haben die Geister und Gemüter aller Völker aller Zeiten tief ergriffen. Der alte babylonische Priester betet im Frühling zu Marduk, als Sohn des Ea: »Marduk, der die Träume Wunder und Zeichen günstig macht, Herr der Gebirgsquellen und der Gewässer, Gebieter der Berge, ד Herr des Überflusses und der Fülle, der Segen herabströmen läßt, Öffner der Gräben und Cysternen, Leiter der Flußströmungen, Spender des Getreides und der Fruchtbarkeit, Schöpfer des Kornes und Weizens, Erneuerer der Gewächse, Du machst erglänzen, was einem Gott oder einer Göttin zuzukommt usw. (Jastrow, Relig. d. Babyl. u. Ass., Hymnen an Schamasch u. Marduk). Und der altchinesische Priester betet: »Voll Würd’ und Anstand gehn wir fein, Mit Stieren und mit Widdern rein, Zum Herbst- und Winteropfer ein;« und tm Frühling: »Mein׳ Äcker stehn in Üppigkeit, Daß sich der Landmann ihrer freut, Mit Harfen, Lauten, Paukenschlägen, Gehn wir des Feldbaus Ahn entgegen, Um zu erbitten süßen Regen.« (Schi-king nach Strauß in D. Edv. Lehmann, Textbuch zur Religionsgeschichte, Leipzig, 1912, S. 7 ff).