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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. Seite 250

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
Date
1915-01-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. denn es heißt: (Exod. 2,1g) »auch geschöpft (דלה דלה)) hat er für uns«; endlich gelangte er zum Monat Adar und freute sich in diesem keinerlei günstiges Vorzeichen für die Juden zu finden im Reiche der Fische; er vergaß aber gänzlich, daß Moses im Adar nicht nur gestorben, sondern auch geboren war; Fische verschlingen und werden verschlungen. So wurde auch Haman verschlungen. — Diese schicksalbestimmende Kraft der Tierkreiszeichen ist eine uralte, antike Annahme, die ihre Parallelen bei allen Völkern des Orients hat und von den Babyloniern und Ägyptern bis nach China und nach den entlegensten Ländern des Westens vorgedrungen ist. (F. X. Kugler: Im Bannkreis Babels Die ernstesten Anstrengungen erlesenster Denker vermochten den tiefgewurzelten Glauben an den bestimmenden Einfluß der Gestirne in keinerlei Weise zu schwächen. Die Stellung der Sonne zu den Sternen des Tierkreises zumal nahm die schärfste Beobachtungskraft gefangen. Vergebens hatte zum Beispiel Maimonides versucht, die Astrologie zu verbannen. In seinem Sendschreiben vom 27. Septbr. 1194 (11. Tischri 1506 Seleuc.) sagt er, daß niemals irgend ein vorzüglicher Denker der Griechen sich mit Sterndeutung befaßt habe, noch weniger ein Werk darüber geschrieben hätte; nur bei den Babyloniern, Chaldaeern, Ägyptern und Phöniziern blühe diese Afterwissenschaft. (Steinschneider, die hebr. Übersetzungen des Mittelalters, S. 931). Haben doch auch die christlichen Kaiser des vierten Jahrhunderts vergeblich Erlasse gegen die Astrologen diktiert, die größten Kirchenväter energisch aber ohne Erfolg gegen die Astrologen geschrieben und gepredigt. Seneca nimmt den Einfluß der Sterne für sicher an; Savonarola und Pico de Mirandola bekämpfen ihn heftig, aber umsonst. Ibn Esra widmet in seinem Bibelkommentar der Astronomie und Astrologie seine kostbare Kraft. Und besonders sind es die Tierkreise, denen dieser große Kenner besondere Sorgfalt zuwendet (Rosin in der MS. II. Jhrg. 1898 S. 72ff.; 305ff. 345ff.). Die eingehendste gründlichste Behandlung erfährt die astrologische Sternenkunde von Ibn Esra.

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