Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen und kurze Mitteilungen. 235 immer wieder mit den verwitterten Originalen verglichen wurden. Man muß selber gar lange solche Arbeit getrieben haben, um zu würdigen, welche physische und geistige Spannkraft dazu gehört, den Totenfeldern zu neuem wissenschaftlichen Leben zu verhelfen. Der vorlieg ende stattliche, auch äußerlich glänzend aus gestattete, erste Teil der Wiener Inschriften enthält den Text und die Erklärung von 695 Grabsteinnummern, 202 Abbildungen von solchen Grabdenkmälern, 15 Tafeln gleichfalls mit Abbildungen u. einem FrLedhofsplan. Er reproduziert die ältesten Inschriften bis zur Vertreibung der Juden aus Wien im Jahre 1670. Die wissenschaftliche Verantwortung trägt Wachstein. Seine unterdessen auch in anderen historischen Publikationen bewiesene Kunst vereinigt Scharfblik und Weitblick. Kein Detail entgeht ihm, bis herab zu einer anders geformten Kunstverzierung am Stein. Aber er geht nicht unter im Detail, sondern weiß zusammen• zufassen u. zu bedeutsamen Ausblicken auf Gegenstände der Historie, der Kulturgeschichte, der Gesellschaftslehre, der Sprachforschung, der Kunstentwicklung hinzuführen. Sein Streben ist: »Jede Person zu identifizieren, sie alsdann in den literarischen Quellen weiter aufzusuchen, ihre genealogischen Zusammenhänge bloßzulegen, u. was sich an Nachrichten über sie findet, zusammenzustellen«, andererseits aber auch »alle in den Grabschriften zum Ausdruck kommenden Vorstellungen in ihrer gesamten geschichtlichen Entwicklung von den ältesten Quellen her aufzuweisen«. Gewiß eine weitgreifende Doppelaufgabe, neben der aber noch eine Fülle von wissenschaftlichen Problemen aller Art einherläuft, deren Lösung mit erstaunlicher Belesenheit u. feinfühligem Spürsinn versucht oder gegeben wird. Eine ganze Anzahl der Grab• steine ist photo-typisch wiedergegeben, um die Nachprüfung schwieriger Lesarten zu ermöglichen, zugleich auch um Kunstu. Schriftproben zum Ausdruck zu bringen, von denen jene durch Verzierungen an Wappen, Kultgeräten u. dgl., diese durch die verschiedenartigsten Schrifttypen vielfaches Interesse bieten. Auch die Poesie der Inschriften ist höchst merkwürdig; die Reimschriften sind zahlreich vertreten. Einmal gibt der Stein sogar das Metrum der Dichtung an, ein ander Mal ist sie im Akrostich durch das ganze Alphabet hindurch geführt. Ein Unikum von Inschrift beginnt mit der Betrachtung, wie die Welt, Kindern gleich, im bunten Schein ihre Lust findet, um gleich darauf das persönliche Schicksal des Trägers der Inschrift anzudeuten, der ein ganz anderes Leben geführt habe, der Lehre u. der Wissenschaft