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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1915-01-01
Page
Seite 234 (sequence 3)
Language
German
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234 Besprechungen und kurze Mitteilungen. archive bildet die Durchforschung der alten Friedhöfe zu diesem Behufe einen besonders bezeichnenden Typ des jüdischen, historischen Schaffens. Denn die Sitte, in den Grabaufschriften die Abstammung des Toten — oft durch mehrere Geschlechter hindurch — und wissenschaftliche oder sonstige Verdienste an ihm zu rühmen, macht die Friedhöfe zu einem steinernen Archiv, das freilich durch die Ver- Witterung des Materials wie auch durch den gewöhnlichen Mangel an Familiennamen dem Eifer des Forschers die größten Schwierigkeiten, dafür aber auch seinem Scharfsinn den glänzendsten Kombinations- Spielraum gewährt. Wie solche Detail-Arbeit nach Inhalt und Form mustergiltig, großzügig gestaltet werden kann, hat die historische Kommission der Wiener Kultusgemeinde soeben durch die Herausgabe der Inschriften des alten jüdischen Friedhofs in Wien erwiesen. Alle am Werk Beteiiigten, Verfasser und Herausgeber, der ungenannte Mäzen, Druckerei und Verlag haben ein Standard-Work geschaffen, das einzig in seiner Art dasteht und für die Dauer vorbildlich bleiben wird. Der historischen Erforschung des ehrwürdigen Friedhofs der alten Judengemeinde auf der Rossau, jetzt Seegasse, hat zuerst ein Dichter sein Interesse zugewendet, L. A. Frankl. Allein so ein Dichter ist kein Gelehrter« Wen die Poesie einer solchen Stätte — mit Recht! — bezaubert, der muß die nüchterne Akribie zum Opfer bringen, ohne die nun einmal wissenschaftliche Forschung unmöglich ist. Frankls 1855 erschienenes Buch über die Inschriften des alten jüdischen Friedhofs hat sich beim Eindringen in die Details immer mehr als unzuverlässig erwiesen. Die schwierige Aufgabe der Entzifferung der Grabaufschriften und deren fachmännische Bearbeitung bezüglich des reichen historischen und genealogischen Materials mußte völlig von vom beginnen. Der unvergeßliche David Kaufmann war es, welcher fortwährend zur Inangriffnahme dieser Arbeit drängte. Sein plötzlicher Tod hinderte ihn, selber das Werk durchzuführen. Seine Anregungen trug Regierungsrat Dr. Frankfurter in die historische Kommission. Eine Bearbeitungsprobe, welche Bernhard Wachstein gab, und die sein das Unternehmen eifrig fördernder Lehrer David Heinrich Müller in den Sitzungsberichten der K. K. Akademie der Wissenschaften vorlegte, zeigte, daß man in Wachstein den rechten Mann für das schwierige Unternehmen besaß, und so begann die systematische Bearbeitung der gesamten Grabnschriften auf Grund von entnommenen Kopien und Abklatschen, die

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