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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 225

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 225 (sequence 13)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 225 kommt oder ein Baron, so sollst du liegen bleiben und ihn aufahren: Was wollen Sie? Und sie werden ängstlich stehen bleiben, die dich sonst auf der Straße angefahren haben und werden in Demut sagen: »Geld oder Aufschub!« Wir horchten wie gebannt! fährt die Erzählung fort. Je mehr unser Freund mit dem Vater sprach, desto mehr gebrauchte er dessen Redeweise . . (Und jetzt kommt die Philosophie!:) War er das? Mein Freund, ja fast mein Bruder Hirsch? Nein! Zwei fremde Wesen! Nicht Menschen wie wir, nein: eine andere Art, von einem anderen Planeten. Hülle flüsterte mir leise zu: Der Alte redet wie das Buch Esther! Er hatte das Buch wohl nicht mit Absicht erwähnt, ich aber erschrak, ja! Wie das Buch Esther (folgt Philosophie!); das Buch des Einschmeichelns mit niedrigen Mitteln, und wenn eine Tochter in den Harem eines Königs verkauft werden müßte. (Der brave Philosoph denkt vielleicht nur zufällig oder aus Philosophie nicht an die garnicht so alten Zeiten, wo sich der höchste Adel aller europäisehen Nati onen höcht geschmeichelt fühlte, wenn der Herrscher geruhte, eine seiner Töchter oder das eigene Weib in seinen Harem zu nehmen und sie zu seiner Maitresse, zu deutsch sagen wir fein — Beischläferin zu erheben, richtig zu erniedrigen), das Buch, das mit dem Gefühl der Macht erwachenden frechen Trotzes, wie Mardochai, der sich befestigt weiß (?) als eine Wanze am Eingang des Palastes sich ansetzt und dem Kanzler des Königs die Ehre verweigert. Endlich das Buch der Rache, einer Rache, wie sie kein Volk kennt (Der Philosoph vergißt schon wieder zufällig die dänische und sizilische Vesper die Bartholomäusnacht, die Kreuzzüge, den dreißigjährigen Krieg, die französische Revolution und andere Kleinigkeiten), außer diesem, welches heute noch die Tage Purim feiert als Jubelfest, daß es 75000 seiner Feinde samt deren schuldlosen Kindern straflos und mit Erlaubnis eines Weiberkönigs abschlachten durfte.« Das ist doch sicherlich Philosophie. Mir fällt dabei eine alte Anekdote ein: Einer bekam einmal von einem zweiten eine Ohrfeige. »Mein Herr«, fährt er ihn an, »ist das Ernst oder ist Monatsschrift, 59. Jahrgang15 ,־

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