Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 12)
- Language
- German
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224 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman sicht (Schau! Schau!). Wir fangen die erschauten Bilder selbstloser auf wie gläserne Objektive und benutzen sie nur, um darüber zu philosophieren«. (Jawohl! nur um zu philosophieren.) Der dritte Idealist der Gesellschaft gehorcht dieser überzeugenden Aufforderung. Der alte Hausierer hat seines Sohnes Blicke auf Fiamma wohl gesehen und wirft es ihm vor. »Eine Goja1)« sagt er mit tiefen, unwilligen Kehllauten (ä la Cooper!) und — spuckt aus »Was steht geschrieben? Das heilige Volk soll sich nicht verunreinigen mit den Heiden, steht geschrieben.« »Ich begehre sie nicht zur Ehe«, entschuldigt sich der junge — Freisinnige. »Lass1 se fallen ganz und gar. Nimm eine von den drei Töchtern des Lichtblau. Schöne Mädchen! Kluge Mädchen! Brave Mädchen! Sie sind erzogen wie Engel Gottes . . Du lebst auch sonst nicht nach den Gesetzen, daß du mit den Unreinen eßt und schlufst (sic!). Und dein Journal! Was mischst du dich in die Händel (so spricht kein jüdischer Hausierer in Wien) der Christen? Was hast du ihnen? Was haben sie Dir? Ich hab’ gewollt, du sollst werden e Handelsmann; du hast gewollt e Mediziner. Gut, hab ich gesagt, werd e Doktor. Nun willst du wieder sein Journalist!« »Vater, schau her,« lächelt Hirsch, öffnet eine Brieftasche und legt in die zitternden Hände des Alten ein Bündel Wertpapiere. »Das ist verdient mit der Journalistik« (1848!). Der Alte prüft und zählt und fragt mit bebender, Stimme: »Das alles ist verdient mit . . .?« Und ich werde mehr verdienen,« fährt der Sohn (wohlgemerkt »der Freisinnige!«) eifrig fort, »die Zeiten sind gut. Behalte das Geld. Wir werden zusammen arbeiten. Ich verdiene, du vermehrst. Leihe aus auf Zinsen! Du sollst ein sorgenfreies Alter haben, lieber, guter Vater! Du sollst nicht mehr todmüde stehen in Gassen und Schenken, daß sie sagen: »Seht den ewigen Juden!« Auf dem Kanapee in Pantoffeln sollst du liegen, und wenn ein Offizier ב) Bartsch sagt nie anders, auch in Elis. Kött nicht,