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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 223

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 223 (sequence 11)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 223 Ghetto der gemeinen Nützlichkeit Ich glaube, es muß eine ungeheuere, herrliche Glut sein, in der sich ein Jude (und ein anderer?) zur Größe heranläutert. Wie unvergleichlich, von Sphärenklängen umtönt und zu allen Himmeln entrückt muß er in dem Augenblick sich fühlen, wo ihm das auf geht, was w!ir germanische Seele nennen, was aber selbst von uns die wenigsten haben. (Wenns selbst die wenigsten von uns haben, warum dann gerade ein Jude? Ist das nicht zu viel verlangt, Herr Verfasser?) ... Es ist nur den verklärtesten ihrer Geister, den bewegtesten der Herzen dieses Volkes geglückt, den Durchgang zu erreichen. Darum konnte ich den Hauptmann beinahe hassen, weil er diesen Berufenen (und eben der ändert sich so schnell und gründlich! Ist das nicht giftig?), diese sehnsuchtsvolle Seele, zurückstieß. O, daß nie eine Zeit kommen dürfte, in der man diesen Seltenen, welche zu uns wollen, zu uns können, das Herz durch Abweisung trotzig macht, so daß sie verstockt umkehren!« Hirsch ist ein widerspruchsvoller Mensch. Als es heißt, daß Chaises oder, wie dieser sich französisch ausspricht, Chaises, Vorräte unterschlagen habe und als »Saujude« bezeichnet wird, jammert er: »Es ist mir ein Weh, daß es ein Jude war, der Schimpf trifft immer uns Andere mit, wir bleiben verachtet trotz aller Gesetze.« Soll man sich mehr über die — Naivetät Hirschs oder des Dichters wundern? Wieder sind die Freunde draußen im Dorfe vor der Stadt und nun kommt das Giftigste, Haß* erfüllteste. »Herr Hersch« sagt einer der jungen Leute »ich habe vergessen: Am Gatter lauert etwas an alter, jüdischer Hausierer auf Sie. Vielleicht e Geschäft?« Die Stimme war merkwürdig hart geworden und hatte leicht (?) den;Tonfall des jüdischen Jargons nachgespottet, und, heißt es heuchlerisch weiter, »so macht der Haß selbst den von Natur Edlen kleiner«. Hirsch aber erhob sich und sagte warm: Es ist mein Vater. »Horchen wir«, schlägt nun überaus schlau nach seiner Entfernung Einer vor, »aus, wie die zwei Juden reden, wenn sie unter sich sind . . . Wir tun es ja nicht in böswilliger und kleinlicher Ab-

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