Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 9)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 221 und fest in unsere mißbilligenden Gesichter. »Ihr guten, warmen, mitleidigen Menschen,« begann er dann. »Zu weich und zu gerecht, um sich zu behaupten; so ging der deutsche Michel in all den zahlreichen Ländern unter, die er sich erobert hat, und er wird es zuletzt noch im eigenen. Eins aber sage ich Euch: Nicht der Haß machte den Juden, sondern der Jude erregte den Haß. Sie wurden nicht Juden, weil sie isoliert und ausgetrieben worden sind, sondern sie sind von Allen ausgepeitscht worden, weil sie unverbesserliche Juden waren. Jenes Volk, welches vor 4000 (!) Jahren aus dem vertrauenden Ägypten alles Gold stahl, bevor es auszog, das Volk welches in Babylonien (?) unter König Ahasverus und im oströmischen Zypern hunderttausende (?) ermordet hat, das Volk, dessen heiligstes Buch ein Katalog der unerhörtesten Schandtaten ist (??), das Volk, das allein Propheten erzeugen konnte, weil an keiner anderen Nation deren größte Männer verzweifelten (??), das Volk, dessen Jehowah wahrhaftig und von je das goldene Kalb gewesen ist-das ist Ursache und nicht Wirkung! Gleichwie sie sich die egoistischeste aller Religionen machten (ist das Emst oder Wahnwitz?), und nicht die Religion sie (?), so sind die Reinen und Herben der Feind ihrer Idee: Und diese Idee war zuerst, dann kam die Feindschaft und nicht umgekehrt! Das laßt Euch gesagt sein und seid um Eurer Seelen willen hellsehend und starkherzig!« »Schwarzsehend und hartherzig« murmelte Gottschalk. »Unangenehmer Kerl«, sagte ein anderer, als der Hauptmann sich entfernte.« Sich mit der geschichtlich so begründeten Philippika des Hauptmanns, der, wie ich meine, die Ansichten des Offiziers Bartsch ausspricht, auseinanderzusetzen, kann füglich unterbleiben; sie richten sich durch ihre historische Wahrhaftigkeit selbst. »Wir aber bemühten uns herzlich, den armen Freund, welcher zum Mitleid angegriffen aussah und bitter gekränkt worden war, mit Liebe zu umgeben.« Das scheint mir eine Heuchelei und macht das Folgende desto niederträchtiger: denn Hirsch muß nun in kürzester Zeit eine vollständige Wandlung des Charakters durchgemacht haben.