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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 220 (sequence 8)
Language
German
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220 Die Darstellung* der Juden im deutschen Roman sie beinahe, dann bedeckt ihr sie, und sie trägt zuletzt Misteliaub anstatt ihres eigenen und stirbt ab . . . Um eurer guten Gelehrten, um eurer paar liebenswürdigen Künstler willen sollen wir euch Alle dulden? Brauchen wir denn jene eure wirklich bedeutenden Ärzte, Juristen, Künstler? Nehmen sie nicht unsern Talenten den Platz? (Das ist doch wenigstens offen!) Was wären wir erst, wenn wir sie . . . euch Alle nicht hätten! Ein großer Gott helfe uns von euch!« »So geht es nun seit dreitausend Jahren«, rief Hirsch und sprang empor. Nun war er Jude: der erregte, begeisterte Jude, mit einem herben klagevollen Zuge des Wehes um den Mund. Wie bedeutsam ist es, daß uns der Jude am jüdischesten vorkommt, wenn er wehklagt! Soll das sein liebstes Wesen sein? (Merkwürdig, wenn auch nicht neu!) Und Hirsch klagte und schrie fassungslos, leidenschaftlich, alttestamentarisch (!): »So geht es nun seit 3000 Jahren. Wir wandern als ewige Nomaden gehetzt unter stärkeren Völkern; »Gebts uns Erde, gebt uns Wasser!« Und überall ruft es: Der Jude hinaus! Wir aber wandern mit zerrissenen Schuhen weiter. Kanaaniter, Ägypter, Assyrer, Römer, Spanier, Deutsche, Russen, jedes Jahrhundert in neuer Sprache, der alte Ruf: Hinaus mit den Juden! Wenn wir immer noch Juden sind und jüdisch fühlen, — wer hat uns denn ewiglich gemahnt, daß wir es sind und uns angeschrieen mit Schlägen: Jude, bleib bei deinem Pinkel! Ihr! Ihr! Und wenn ich ehrlich wollte ein Deutscher sein, ich dürfte nicht! Wenn ich beim traulichen Halbdunkel des deutschen Herdes mich wollte wärmen, wer hält mir den Feuerbrand vor meine verhöhnte Nas’ und sagt mir: »Du bist auch einer«. Und wenn ich lobsingen will aus dankbarem Herzen für das liebe Land, das mir Heimat geworden: Was ist des Deutschen Vaterland? Wer schreit da: Hepp hepp? Leute, wie Sie, Herr Hauptmann. Jude muß ich sein, ob ich will oder nicht, und wo möglich gleich Saujud!« »Hat er Dir nicht ehrlich geantwortet, Hauptmann? Ohne Dialektik und mit Logik?« fragte Gottschalk und ergriff die Hand des tieferregten Juden . . . der Hauptmann erhob sich und sah düster

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