Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 7)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 219 jüdischem Gewinn. Und Sie sagen, Sie schrieben für das Volk? Darm müßten die Juden in diesem 50 vom Hundert betragen oder Sie sind nicht ehrlich; denn nur 5 Prozent der Stadtbevölkerung sind es, deren Sorgen Sie fast ausschließlich in einem Blatte vertreten, welches der Allgemeinheit zu dienen vorgibt«. »Und wenn ich noch jüdisch empfinde«, rief Hirsch dazwischen, »wer erinnert mich am öftesten, am tiefsten, am schmerzlichsten an mein armes Volk? Menschen wie Sie! Sie selbst jagen mich zum Judentum (?) zurück. Ich will mich an das Schiff der deutschen Nation retten, Sie aber stoßen mich zurück, indem sie rufen: »Weg von hier, Jude!« »O«, rief der Hauptmann, »ich würde Sie nicht abweisen, wenn Sie nur in den Tiefen Ihrer Seele weniger Jude wären«. (Was heißt das aber eigentlich? möchte ich fragen.) »Ja«, tönte es gewichtig neben uns, Gottschalk hatte sich ins Gespräch gemengt und fuhr fort: »Ich kenne die Juden, welche an ihrer großen Seele die ihrer Rasse eingewachsenen Makel bis zur Unkenntlichkeit weggeschliffen haben. Aus solcher Seele konnte ein Mendelssohn Lieder von herzdeutscher Innigkeit wie die Eichendorffschen Waldlieder so stolz und schlicht, so fromm und gewaltig in Töne setzen. Diese Renegaten (?!) sollen wir lieben und ihnen die Arme weit entgegenbreiten . . .« »Deutsch tun und Jude sein!« lachte der Hauptmann . . . »Ihre Gier nach den Rost- und Mottengütern, ihre Geschäfte und Profite und vor allem ihre Lüsternheit auf unsere herben Bodenpflanzen und fortwährend dabei rufen: Wir sind die Euren! Was, Herr Hirsch? Und haltet dabei eure Brandfackeln in den Krügen versteckt wie eure Vorväter, als sie Schlafende überfielen . . . Allen denen, die eure perfiden Heuchelblätter lesen, (eine Prophezeiung 1848 für 1905!) werdet ihr in 50 Jahren die Meinung eingeflößt haben, das Thermometer menschlichen Glückes steige und falle mit clem Kurszettel. Ihr werdet Schiller vom Theater jagen und mit dem schwülen Parfüm eurer uns noch fremden Lüsternheit darauf einziehen. (Das schreibt Bartsch, dessen Bücher gerade lüstern sind.) Mir brennen die Schläfen, wenn ich daran denke! ihr seid die Schmaroizerdistei an der deutschen Eiche . . . Erst schmückt ihr