Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 6)
- Language
- German
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218 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Erkenntnisgang gewesen zu sein; heute kannte er nur die allgemeine Freiheit der Rassen und Klassen. (Soll das ein Tadel sein?) Der Hauptmann unterbrach uns. Die Abneigung zwischen den beiden war gegenseitig, und diesmal hatte der Hauptmann sich wohl vorgenommen, dem militärfeindlichen Journalisten zum Abschied seine Meinung zu sagen . . . niemals hatte ich einen reinen Logiker, wie es der pessimistische Hauptmann (dieses Charakteristikum ist wohl zu beachten!) war, gegen einen absoluten Dialektiker wie Hirsch streiten hören ... »Es ist hübsch von Ihnen«, begann der Hauptmann ohne weiteres »daß Sie nichts mehr von Deutschland wissen wollen. Ich bitte Sie; ein Allerweltsbürger, wie Sie!« »Besser Allerweltsbürger als Allerweltsborger«, sagte der Doktor mit seinem charakteristischen Idiom (?). »Hm«, sagte der Hauptmann, »ich bin einer der vielen Offiziere, welche nie verschuldet waren. Dennoch sitzt auf jedem Offizier der Ruf des Leichtsinns, wie auf Ihrer Rasse (!) der des Eigennutzes. (Was folgt daraus auch für den Logiker-Hauptmann? Doch, daß man eben nicht verallgemeinern dürfe.) Und doch bilden wir einen Stand, keine Blutsgemeinschaft«. »Herr,« unterbrach ihn Hirsch, »wenn sie das Geldpumpen im Offizierkorps zur Höhe eines erblichen Kunsttriebes erheben wollen, wie die Juden das Geld verleihen, so müssen sie einen Erlaß an hoher Stelle provozieren, daß die ärarischen Familien behufs Inzucht nur unter sich heiraten dürfen«. Der Hauptmann aber begann: »Glauben Sie nicht, Herr Hirsch, daß ich Ihrem Talente verständnislos gegenüber stehe. Ich bewundere die Leichtigkeit, mit der Sie die überraschendsten Einfälle aus allen Ecken eines Tisches zapfen, der von Holz ist . . . Es gibt Mißtrauische, welche denken, Sie wollen dem Volke die Überzeugung einer Erbpacht Judas auf Geist beibringen . . . Wenn ich Ihre Aufsätze, nein, Ihr ganzes Blatt, sozusagen statistisch durchsiebe und alle tieferregten Kampfartikel, jeden temperamentvollen Aufschrei, ja die Aphorismen von Denkern und Dichtern, welche Ihr abdruckt, perzentuell in Hinsicht auf die Sache zusammenstelle, der Sie dienen, so gilt es 40 ja — 50 vom Hundert jüdischen Leiden, jüdischem Streben,