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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 217

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 217 (sequence 5)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 217 Mensch dauerte uns tief. Er war so arm, daß wir ihm mit unsern Kleidungsstücken aushelfen mußten, und als er ein schmales Stellchen als Berichterstatter bei einem der Wiener Tagesblätter erlangte, wurde es nicht viel besser; denn der fleißige, kleine Idealist gab fast sein ganzes Geld für Bücher dahin und wohnte aus Liebhaberei den Vorlesungen der philosophischen Fakultät bei.« Im Oktober des bewegten Jahres, als die Revolution in Wien wieder aufflackert, treffen sich einige Freunde im Hause Gottschalks, der Hauptperson der Geschichte, darunter Hirsch und ein Hauptmann, der auf der anderen Seite steht. »Jenen Nachmittag nun freuten wir uns auf das Wiedersehen mit Hirsch, »dem Doktor«, welchen wir lange nicht gesehen hatten. Der war im März einer der begeistertsten gewesen. Mit all den Schwärmern, mit all den Lärmern sah man ihn Arm in Arm. Er schwang die schwarzrotgoldene Fahne vor der Hofburg, er stimmte immer zur rechten Zeit das Lied an: Deutschland, Deutschland über alles! und es war rührend, wie dieser junge Jude für ein Volk entbrannte, welches nicht das seine war. (Vgl. Zwölf aus der Steiermark!) Manche witzelten über ihn, einige Rohe wiesen ihn sogar durch brutale Worte aus der deutschen Stammesgemeinschaft. Uns, Gottschalk und mir, tat es für ihn wehe. Aber Hirsch hatte viel Witz und mehr und mehr suchte man ihn in neuer Zeit, in der es soviel zu belachen gab. Er hatte bald stets Gesellschaft auf der Gasse und in den Schenken, in welche er nur seiner Beliebtheit wegen, nicht um zu trinken, ging. Er wurde bekannt, dann populär, und so sahen wir ihn immer seltener und fürchteten fast, er hätte die Zeit vergessen, in welcher wir fast die einzigen waren, welche er als Freunde besaß, und welche zu ihm hielten . . . Hirsch war in guter Laune, aber wir hatten ihn lange nicht gesehen und es fiel uns auf, daß er früher bescheidener und dankbarer gewesen. Sonst gab er nur manchmal ein blitzblankes Wort in das Gespräch — heute machte er Witze um jeden Preis. Er war übermütig geworden, und es tat uns herzlich um die zarte Feinheit leid, welche er ehedem besessen hatte. Auch von Deutschland sprach er nicht mehr; es schien ihm nur eine Zwischenstufe in seinem

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