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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 215 der Gräfin reden. Sie läßt ihm sagen, sie habe mit diesem Juden nichts zu sprechen. »Er war gewöhnt beschimpft zu werden, aber von Leuten die er retten wollte, war es hart, sehr hart. Was nützte ihm sein Reichtum, was sein guter Wille? Immer und immer tönte ihm das Wort »Jud« aus allen Ecken. Aber er konnte ihr gar nicht zürnen. »War sie nicht in diesen Vorurteilen erzogen, hatte sie je etwas anderes gehört?« Er überwindet sich wieder und sagt zu Karl: »Geh jetzt noch einmal hinauf und sage Mama, daß dein Glück davon abhängt, ob sie mich empfängt oder nicht.« Er wird vorgelassen. Die Gräfin kann nicht glauben, daß er ohne Interesse handle. »Sie kennen uns ja nicht und hassen uns.« »Das ist ein Märchen, Exzellenz, wir hassen nur unsere Feinde. Von der Wiege bis zum Sarge erleben wir nur Verachtung und Beschimpfung. Wie sollen wir nicht hassen? Aber wenn man uns Gutes tut, sind wir besser als die Andern, weil wir dankbarer sind.« »Aber ihre Religion lehrt ja die Rache!« Ja, Exzellenz, wo wären wir, wenn wir nicht rachsüchtig wären! Daß wir heute die Welt beherrschen (?), verdanken wir dem »Aug um Aug, Zahn um Zahn.« Weil wir unsere Gegner vernichten und unsere Freunde hochheben, darum sind wir die Herren der Welt geworden. Wer sich gegen uns auflehnt, den bringen wir ohne Rücksicht um, und da gehen wir alle gegen einen (???)«. »Was bewegt Sie denn uns zu helfen? Wir haben Ihnen nie etwas Gutes getan!« »Ach! Gutes! Der selige Herr Gemahl hat mir mein Lebenglück zerstört.« Und er erzählt, wie ihm der Graf Martha, die er als den Sonnenschein seines Lebens geliebt, geraubt, wie er sich dafür gerächt, den Grafen ruiniert habe und endlich in den Besitz seines Schlosses gekommen sei. Da sie fassungslos dasitzt, tritt eines der Kinder herein, grüßt Grünbaum artig und umarmt die Mutter. Die stolze, große, mutige Frau bricht in Tränen aus und fleht: »Retten Sie, retten Sie meine Kinder!« Tränen springen auch Grünbaum aus den Augen, er nimmt die hilflose Hand Elisabeths, küßt sie und sagt: »Sie sind gerettet« Das sind die letzten Worte des Romans.

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