Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
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214 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Unfeines in einem Juden sieht, vergeblich kämpft. In Wien fällt Schwandorf in die Schlingen einer Schauspielerin Martha, die ein reicher, jüdischer Industrieller, namens Grünbautn, aushält. Grünbaum ist alt und schäbig und wird von ihr mißhandelt, aber er ist da und bleibt da, zahlt alles und ist dabei glücklich. Ihm also kommt der Graf ins Gehege, und da dieser infolge des liederliehen Lebens in Schulden gerät und sich an Blaumeier wendet, wird er abgewiesen. Nun tritt Grünbaum auf den Plan. Er weiß Schwandorf zu gewagten Börsenspekulationen zu verleiten. Vor dem Zusammenbruch stehend, schließt der Graf mit Grünbaum einen Vertrag, wonach dieser das ganze Engagement und alle Schulden gegen die Überlassung der Herschaft Schwandorf übernimmt und überdies eine Rente von 12000 Gulden zahlt. Bedingung ist, daß er Martha aufgibt. Er tut es. Als ihm aber die Schauspielerin auf das Gut folgt, erschießt er sich. Unter den erschienenen Leidtragenden ist auch Grünbaum. Er spielt eine klägliche Rolle und wird von den stolzen Aristokraten mit verächtlichen Blicken gemessen. Nur der zwölfjährige Karl, der gräfliche Erbe, nimmt sich des verlassenen alten Mannes am »In ihm ging eine Wandlung vor sich. Wohl haßte er den Adel, der ihn verachtete, wohl war sein Herz voll Widerwillen gegen diese Menschen, die ihn von Jugend an verfolgten — aber war dieses Kind daran schuld? Sollte seine Rache sich gerade gegen den Unschuldigen richten? Warum haßte er diese Leute? Weil sie ihn unschuldig verfolgten, weil sie ihm seine Geburt verübelten, für die er nichts konnte. Und das, was er ihnen allen vorwarf, daß sie ungerecht handelten, sollte er selbst auch tun?« Schon ist er entschlossen, die Familie zu retten. Wie er aber zur Gräfin gehen will, hört er aus einem lauten Gespräch hinter sich: »Was macht denn dieser schäbige Jude hier?« Er wendet sich um, es ist der Bruder der Gräfin. Er wird wankend, und in seinem Herzen blitzt die Empörung auf. Aber Karl, der es gleichfalls gehört hat, nimmt voll Mitleid Isaks Hand und führt ihn, um ihm über die peinliche Lage hinwegzuhelfen, in den Salon nebenan. Jetzt ist Grünbaum fest entschlossen, die Familie zu retten, und er will mit