Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Kontinentalsperre und die deutschen Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
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208 Die Kontinentalsperre und die deutschen Juden. Auch etliche große feine Zucker Hut der neben, Uns Weib’r nebbich bekomm’n sol das gute süße Leb’n. ׳-הן das wert sein recht schehn, Wenn aileßdie Weib’r ihr’n Wunsch und Kopf werd nach gehn. Wie man aus dem Ganzen sieht, sind die Sorgen der Damen1) dem Dichter ganz besonders nahe gegangen. Ob wir nun das Lied einer Dichterin zu verdanken haben, die die schwere Not der Zeit am eigenen Leibe gespürt hat, oder einem Dichter, der sich liebevoll in das Gemüt der leidenden Glaubensschwestern versenkt hat, läßt sich, da vorläufig jede Überlieferung fehlt, nicht feststellen. Nur soviel ist, wie (oben S. 200 f.) gesagt, gewiß, daß das Gedicht im Westen Deutschlands entstanden ist. Kulturhistorisch wichtiger ist die Tatsache, daß die vorliegende westöstliche Sprachmischung2) vor hundert Jahren auf das Verständnis der gesamten deutschen Judenheit rechnen konnte. In dem heute lebenden Geschlecht wird es sowohl unter den Männern als unter den Frauen nicht eben viele geben, die die Urschrift des Druckes ohne Schwierigkeit würden lesen können. Im Jahre 1780 hat Döderlein3) festgestellt, daß nicht gerade ungelehrte jüdische Zeitgenossen, denen er Mendelssohns, mit hebräischen Buchstaben gedruckte hochdeutsche Pentateuch- Übersetzung vorlegte, nur mit Mühe und Not den Sinn verstehen konnten. Heute werden die Wenigen, die so vulgäre Wendungen, wie חיים ושלום oder יום ולילה oder כסף וזהב oder רפואה שלמה und dergl. in unpunktiertem Text ohne weiteres lesen und verstehen können, von sehr vielen gewiß bereits als Gelehrte angestaunt werden. Welche Wandlung der Zeiten. Und da gibt es heute noch ein Häuflein, welches mit großem Geschrei und geringem Witz verkündet, daß es grundsätzlich innerhalb des Judentums, abgesehen von einzelnen Thekanoth, Geseroth usw. eine Fortentwick- ג) In allen, außer im 5. und 7. Verse, sind die Frauen erwähnt. 2) In 176 Zeilen zähle ich 57 hebräische Wörter und 20 hebräische Wendungen. Auserlesene theol Riblioihek I, S. 156.