Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 12)
- Language
- German
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Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. 191 diente Isaak ben Abraham, der genannte Lissaer R. David Landau und der Posener »Beniach Lewin«, das ist Binusch Katz, ein auch gelehrten Interessen huldigender Mann. Ihre Vorstellungen1) nahm der Kriegsrat und geheime expedierende Sekretär im Neu- und Ostpreußischen Departement der Abteilung Finanzen im Generaldirektorium Prillwitz2) zu Protokoll. Die Gesandten erklärten, daß sie von den sämtlichen Judenschaften in Süd- und Neuostpreußen den Auftrag erhalten hätten bezüglich einiger Artikel des neuen Judenreglements Vorstellungen zu erheben. Da sie der deutschen Sprache nicht ganz mächtig waren, erklärten sie ferner, daß der Berliner Bankier Lipmann Meier Wulff, ein Gemeindeältester, der auch sonst mitten im Kampfe ums Recht der Juden stand3), es übernommen habe, dasjenige in ihrem Namen zu deklarieren, das sie im Interesse ihrer Sache für notwendig hielten. Die Deputation war in ihren Wünschen sehr maßvoll und bescheiden und beschränkte sich auf das dringendste und notwendigste. Die erste Beschwerde richtete sich gegen die Bestimmung des Reglements (Kapitell §15b), die eine Genehmigung zum Heiraten vom Nachweis eines »Etablissements oder Gewerbes zum wahrscheinlich sicheren Unterhalt für sich und seine Familie« abhängig machte. Nun sei in Südpreußen und namentlich in Posen bereits der Fall eingetreten, daß ein dortiger Jude sich wegen Ansetzung seines Sohnes, der das fünfundzwanzigste Jahr erreicht und ein hinreichendes Vermögen nachgewiesen habe, bei der dortigen Kammer gemeldet und die Konzession zu seinem Etablissement als Kaufmann nachgesucht habe. Trotz alledem sei es ihm nicht gestattet worden mit der Begründung, daß es x) Posener Staatsarchiv SPZ Gen. AVIIIibf. 116—117. Die Auszüge hieraus stellte Herr Dr. Landsberger-Breslau mir frdl. zur Verfügung. 2) Die Angabe über P. verdanke ich Herrn Dr. Täu bl er-Berlin. 3j MS. a. a. O. S. 88 Anm. 1, Täubler in den Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden I, Leipzig 1909, S. 28 Anm. 1, Steinschneider in der Zeitschr. für die Gesch. der Juden in Deutschland V 402 f.