Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 11)
- Language
- German
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190 Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. Krone »die Fittige ihrer Gnade entfalten werden, die Säulen der Religion auf ihren Grundlagen aufrecht erhalten, die Quellen der Nahrung nicht verstopft werden.» Die Wünsche der Juden nach Niederreißung der sie einengenden Schranken fanden trotz der gegenteiligen Ansicht König Friedrich Wilhelms III bei der Beamtenschaft und der Bürgerschaft Verständnis1). Zu Sachwaltern für die Verhandlungen mit den Regierungsorganen ernannten die jüdischen Delegirten die Posener seit langem bewährten Gemeindevorsteher Jakir Wolf und Pinkus fakob, sowie einen von den letzteren zu nominierenden, der dem als »ha-Zaddik« gefeierten Posener Gemeinderabbiner R. Josef genehm sein müßte, die Lissaer R. David Landau, später Rabbiner in Fiatow und Dresden, und Itzig ben Samuel, einen seit drei Jahrzehnten bewährten Gemeinde- Vorsteher, den Rawitscher R. Josua Herzfeld, den späteren Rabbiner in Königsberg i. Pr. und Rawitsch, den Dzialoszyner greisen und hochangesehen Mose ben Baruch Katz und den Grätzer Gelehrten Issachar ben Samuel. Sie sollten in Berlin vorstellig werden; der dortige Rabbiner R. Hirschei Lewin stand ihnen fördernd zur Seite, ebenso der Breslauer Rabbiner R. Jesaja Berlin bei ihrer Tätigkeit in Breslau. Eine freiwillige Kopffsteuer aller Gemeinden sollte die erforderlichen Kosten aufbringen. Nicht alle Wünsche konnten in Kleczewo besprochen werden. Die Versammelten beschlossen, im kommenden Monate Cheschwan anläßlich der Messe in Frankfurt an der Oder zusammenzukommen und dort die Verhandlungen zum Abschluß zu bringen. Die dortigen Beschlüsse sollten gleichfalls bindende Kraft haben. Gründe, die wir nicht mehr kennen, gaben der nach Berlin entsandten Deputation eine andere als die geplante Zusammen- Setzung. Bereits am 2. Oktober 1797 erschien sie beim dortigen Generaldirektorium — diese Bezeichnung entspricht der des heutigen Ministeriums — und zwar der genannte Mose Katz ben Baruch aus Dzialoszyn, der Lissaer seit Jahren als Vorsteher verx) Histor. Monatsbll. f. d. Pr. Posen XII 82, XV 71 ff., Zeitschr. d. hist. Ges. f. d. Pr. Posen XXVII 99 Anm. 1.