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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 189

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
Date
1915-01-01
Page
Seite 189 (sequence 10)
Language
German
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Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. 189 Einseitigkeiten der Informationen, die der Regierung zu teil wurden, die allem Anscheine nach eine erschöpfende Umfrage bei den Gemeinden selbst und ihren legalen Vertretern nicht vor« genommen hat. Am 16. August 1795 befahl der Minister für Schlesien und Südpreußen der Posener Kammer eine umfassende Untersuchung über den Stand der südpreußischen Judenschaft. »Die Regulirung des südpreußischen Judenwesens accrochiret hieran.« Am 7. April 1797 ging sie an ihn ab. Aber zehn Tage später erschien bereits im Drucke das General-Judenreglement in so überstürzter Eile, daß man die mühseligen Vorarbeiten völlig ungenutzt ließ. Kein Wunder, daß ein Gesetz, das so völlig seine natürlichen Grundlagen ignorirte, zum Teil verfehlt war. Bereits 1794 wurde seitens der höheren Behörde von den Magistraten ein Urteil über das Judenwesen eingefordert. Wie wenig aber auch dieses einen sicheren Boden für das Reglement bot, sieht man aus dem Beispiel von Rawitsch. Das durch keinerlei Sachkenntnis getrübte Gutachten des dortigen Magistrats über die Lehrer des hebräischen, über die sogenannte »jüdisch-teutsche Sprache», über das Studium des Talmud und den »von den Rabbinern despotisirten gemeinen Mann« liefert einen erschreckenden Beweis für die Mangelhaftigkeit der Vorarbeiten für das Reglement. Besorgnisse herrschten nicht nur auf jüdischer Seite, Auch außerhalb dieser Kreise gab es Klagen und Beschwerden ob der Ver- Ordnungen des neuen Regimes, die den polnischen Verhältnissen aufgezwungen wurden, ohne zu ihnen immer recht zu passen. Die Bialystoker Kammerkommission fand sie gerechtfertigt und befürchtete, »daß die neuen Konsumtionssteuern den Ruin der Städte herbeiführen, den Bürger an den Bettelstab bringen möchten«1). Der Kleczewoer Judentag setzte es sich zum Ziele, dem Könige bittend zu nahen, daß durch seine Räte eine Untersuchung der jüdischen Verhältnisse stattfinde. Er hoffte, daß die Berater der l) Mitteilungen aus dem Gesamtarchiv der deutschen Juden IV, Leipzig 1914, S. 65ff., Cohn, Gesch. d. jüd. Gemeinde Rawitsch S. 42 ff., Altpr. Monatsschr. a. a. O. S. 575.

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