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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 187

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
Date
1915-01-01
Page
Seite 187 (sequence 8)
Language
German
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Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. 187 nur eine »Kabale«, hatten sie doch die schließliche Abschaffung des Talmud aus der Schule im Auge und wollten nur aus taktischen Gründen ihn vorläufig beibehalten. Man hoffte, daß »die Anhänglichkeit an dierabbinische Gelehrsamkeit. . . verschwinden« werde. Man verfiel auf den seltsamen Gedanken, ein zu gründen- »Sicher ist es, daß die Gemeinde [in Posen] bei solcher Gelegenheit dem Woyewoden ein Geschenk machte« (Mitt. d. H, Prof. Dr. Bloch-Posen vom 10. V. 15). Auch in Bialystok hatte der letzte Rabbiner zu polnischer Zeit an die Grundherrschaft 200 Dukaten »Rekognitionsgebühr« zu zahlen (Altpr. Monatsschrift a. a. O. S. 437, Anm. 2), und als 1751 die Gemeinde Krakau und der Landesbezirk R. Jonathan Eibenschütz das Rabbinat anboten, war die Zustimmung des Woyewoden ohne Geldopfer seitens der Gemeinde nicht zu beschaffen (לוחת עדות, Prag 1788, S. 54 a). Wenn bei der Rabbinerwahl in Posen am 26. Adar II 1780 von dem Gewählten verlangt wurde, er solle 300 Dukaten in die Gemeindekasse zahlen (Posener handschr. Sefer hasichronoth II 263 [272] b), so muß auch hier gleichwie in Krotoschin, Kempen, Rawitsch und Krakau für diese bisher nicht erhörte Forderung als Grund der angesprochen werden, daß sie für den Woyewoden, Unterwoyewoden oder einen anderen Posener Machthaber gestellt wurde. Auch die Posener Judenältesten mußten für ihre Bestätigung eine »Gebühr« in jener Zeit dem Unterwoyewoden entrichten (Hist. Monatsbll. III, 44; vgl. noch MS. XIV 136 und Pos. Sef. has. II 157 [169] a, b, 111261 [274] b ff.). Jakob Emdens spitze und scharfe Feder würde gewiß von einem solchen Unfuge gemeldet haben, wenn man ihm das von ihm abgelehnte Posener Landesrabbinat unter solcher Bedingung angeboten hätte תורת הקנאות; Lemberg 1870, S. 129). Sein Schwiegervater R. Jakob Mordechai hatte dieses Rabbinat gleichfalls keinerlei Bestechung sondern dem Einflüsse eines Lissaer Landesältesten zu verdanken (Gesch. der Juden in Lissa, S. 310, MS. Bd. 41 S. 364). Auch als der Posener Rabbiner R. Samuel 1806 sich darum bemühte, daß sein Schwiegersohn das Tirschtiegeler Rabbinat erhalte, war von irgend einem Kauf keine Rede (Handschrift Nr. 23 meiner Sammlung). Man stand in den besten Kreisen der polnischen Juden- Schaft nicht an, die furchtbaren Folgen des zweiten Schwedenkrieges (1655—9) zum Teil als Strafe für erkaufte Rabbinate anzusehen (Wiener, Biblioth. Friedland., Petersburg 1893 ff., Nr. 36S8; vgl. das. Nr. 3690). Aus R. Lippmanu Hellers מגילת איבה (Breslau 1837) S.'29f. ist ersichtlich, daß gerade die polnischen Rabbiner, Landessynoden und die

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