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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 154

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes
Date
1915-01-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes. Stände etwa im Priestersegen יאהבך/ wie ואהבת im Schma, so wäre, wie in den Benediktionen für dieses, auch in den für den Priestersegen das באהבה nur das natürliche Echo des Bibelwortes. Aber es ist ein solches auch so. Das באהבה bekundet das feinste Verständnis für den Inhalt und die Struktur des Priestersegens Der Anschlag dieser Note zeigt, wie genau man die Harmonie desselben erlauscht hat Er bewegt sich zum größten Teile in abstrakten, dem Irdischen entrückten Wendungen, die aber eben dadurch eine Innigkeit und Ergriffenheit bekunden, wie sie nur die schwärmerische Sprache Liebender atmet. Der kurze Satz hat Raum für die poetischeil Bilder, in denen Gottes Antlitz als die Sonne erscheint, die erleuchtende und erquickende Strahlen aussendet, aber er macht nur ein Gut namhaft, allerdings das unsinnlichste, deshalb aber auch das erhabenste und umfassendste — den Frieden. Was hätte wohl eine andere Nation oder Religion sich darauf zu Gute getan, wenn sie der Welt den biblischen Priestersegen geschenkt hätte! Wie viele Bände wären nicht über jedes einzelne Wort desselben geschrieben worden! Die Weisen Israels haben den Priestersegen in ein Wort zusammengefaßt, באהבה! Gottes unerschöpfliche Liebe ist der Urquell des Segens. Dieser Urquell ist zu rein und lauter, als daß ein irdisches Gut, Reichtum, Ansehen, Macht, Herrschaft, Sieg seinen Ursprung daraus herieiten könnte. Nur der Friede, das »von Segen überfließende Gefäß« (M. Ukzin Ende) durfte im Priestersegen, und mit Nachd ruck an dessen Schlüsse namhaft gemacht werden. Diese Erwägungen strömen in dem einen Worte der Benediktion באהבה zusammen und mußten den segnenden Priester mit besonderer Inbrunst erfüllen. Dies ist vielleicht der Grund, weshalb R. Eleasar b. Schammua sein hohes Alter darauf zurückführte, daß er niemals den Priestersegen ohne vorherige Benediktion erteilt habe (Sota 39 a). Über die Struktur der Schma-Benediktionen habe ich bereits gesprochen. In ihnen ist die Betonung der Liebe der augenscheinliche Widerhall des ואהבת im ersten Absatz des ק״ש, der ursprünglich als קבלת עול מלכות שמים auch der einzige gewesen, und zu dem erst später der zweite wegen zahlreicher

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