Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes. 155 Anklänge an den ersten, allerdings auch mit Betonung von Lohn und Strafe, als קבלת עול מצוות hinzugekormnen zu sein scheint. VII. Es konnte nicht fehlen, daß der fundamentale Zug der Liebe, der in der frühesten Gebetandacht vorwaltet, auch in deren weiteren Entwicklung sich fortsetzte. So in der תפלה, dem Schmone-Esre-Gebet, deren erste Benediktion mit den Worten schließt למען שמו באהבה, und der gegen Ende der Passus entspricht ותפלתם באהבה תקבל ברצון. Besonders aber ist es der Sabbat, in dessen Einsetzung Israel den höchsten Beweis der Liebe Gottes zu der Menschheit im Allgemeinen erblickte — wie denn sein Ursprung schon von der Schöpfung datiert ist, — der im Gebetbuch immer mit dem Geleitwort אהבה, der Liebe, erscheint. Den schönsten Ausdruck für dieses Verhältnis hat der Prophet (]es. 58, 13) geprägt, indem er den Sabbat eine »Lust« nannte. Aber jene tiefgründige Erfassung der Liebe wie in der Abendbenediktion, und auch, von späteren Einschaltungen abgesehen, in der Morgenbenediktion für das Schma, kehrt doch nirgends wieder. Macht man einen Querschnitt durch das hebräische Gebetsmassiv, so stößt man auf Formationen; in denen sich verbitterte und feindselige Stimmungen verdichtet und den Silberblick der Liebe verdunkelt haben. Das sind Anschwemmungen, die den Zeitverhältnissen ihre Entstehung verdanken und in ihnen ihre Erklärung, wenn nicht gar ihre Rechtfertigung finden. Auch sie sind ein Widerhall, nämlich des Hasses und der Verfolgung, der Leiden und Unbilden. Dennoch wirft auch in diesen Dunkelheiten die Liebe zu Gott und das Vertrauen auf seine Gegenliebe die Feuergarben hoch empor, um das Wort zu bestätigen: »Mächtige Wasser vermögen nicht die Liebe zu löschen, und Ströme überfluten sie nicht.« (H. L. 8, 7). Eine Religion, in der die Liebe so tief verankert ist, hat es nicht nötig, sich eine Religion der Liebe zu nennen.