Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes. 153 die über diese Einschaltungen geschrieben, oder sie registriert haben, entgangen ist. Ich muß jedoch noch auf den Schluß des Bußgebetes, des so genannten »langen והוא רחום« aufmerksam machen, wo es heißt ,המיחדים שמך וכר באהבה ואומרים שמע וכר. Das באהבה ist hier, wie in der Mußaf-Keduschaals Erinnerung an die ursprüngliehe Formulierung der Benediktionen, in der das שמע und der ייחוד noch nicht zur Geltung kamen, sondern bloß die Liebe betont wurde, gewissermaßen hängen geblieben. VI. Aus der bisherigen Untersuchung darf man nun wohl als gesichertes Ergebnis die Tatsache ableiten, daß die schon von der Tora selbst geschaffenen Grundlagen unserer Gebetandacht, einzig und allein die gegenseitige Liebe Gottes und Israels als das zwischen beiden bestehende Bindeglied und als Entstehungs- Ursache der Gebetandacht, deren frühester Niederschlag jene Grundlagen sind, zum Ausdruck bringen. Dies haben eben die Verfasser der Benediktionen herausgefühlt und durch sie verlautbart. Weder die Furcht — ich habe schon im Abschnitt V gezeigt, auf welche rein zufällige Weise das ליראה שמך in die Morgenbenediktion hineingeraten ist —, noch weniger das rechnungsmäßige Verhältnis von Arbeit und Lohn, Leistung und Verdienst, noch andere derartige Niedrigkeiten, die von den christlichen Theologen aller Richtungen mit unaussetzender Beharrlichkeit als die Tragbalken des Judentums bezeichnet werden, wird man in den Benediktionen auch nur angedeutet finden. (Was natürlich nicht ausschließt, daß auch der Furcht, richtiger Ehrfurcht eine berechtigte Stelle in der Andacht gebührt). Dies konnte gemäß dem Wortlaut der biblischen Texte, worauf sich die Benediktionen beziehen, nicht anders sein. Was zunächst die für den Priestersegen betrifft — wie ist man überhaupt darauf gekommen, ihr das Wort באהבה, selbst bei וצו נו nach unserer Diorthose, einzufügen? Fehlt es doch in allen anderen Benediktionen, ausgenommen natürlich die für das Schma, in denen die Betonung der Liebe durch den Text selbst veranlaßt ist.