Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 14
- Article
- Die Organisation der jüdischen Ortsgemeinden in der talmudischen Zeit
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 646 (sequence 8)
- Language
- German
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646 Die Organisation der jüdischen Ortsgemeinden. Zisternenaufseher und Marktbeamte, von lauterster Abkunft waren V). Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit galt als Haupttugend der Gemeindebehörden כל העוסקים עם הצביר יהיו עוסקים עמהם לשם שמים d. h. Alle, die Gemeimlegeschrifte leiten, sollen stets nur den guten Zweek (nieht eigene Vorteile) im Auge haben, sagt R Gamliel -). Sie sollen stets ein entgegenkouunendes Wesen zeigen und sieb nie stolz und hochfahrend gegen-die Geineindcinitglieder!)enebmen. ״Drei Dinge sind für Gott ein ganz besoliderer Schmerz“, sag(‘U in haggadiselier Weise die Talmudgelehrten, darunter ,.פרנס המהגאה על הצבור, Ein Gemeinde- Vorsteher, der sieh stolz über seine Mitbürger erhebt“ :b. Es war gewöhnlich nicht leicht, iiir ein zu besetzendes .Gemeindeamt die in jeder Hinsicht geeigneten Personen zu finden Mancher liess sich durch die drohende Arbeitslast, die meist auch noch Undank im Gefolge hatte, abhalten, «.*in ihm angebotenes Gemeindeamt anzunelimen, oder fand es gar entehrend1 2 * 4), sich zum Diener der Gemeinde zu machen. Doch im Allgemeinen standen Personen gern der Gemeinde zur Verfügung, wenn eine Ehrenstelle zu besetzen war, denn es war eine grosse Ehre. Gemeindevorsteher zu sein*). Manche Gelehrte, wie R. Sera und Rabbah b. Abba 1) Kidduschin 70 b. 21 Aboth II, 2. Im Talmud worden einige Beispiele von selbstloser, uneigennütziger Hingebung für das Gemeindewuhl überliefert Der פי־גס R. Eliescr hörte einst, dass mehrere arme Leute, für deren Bewirthung er gesorgt hatte, aus Dankbarkeit hierfür zu Gott Ai;־ sein Wohl gebetet hatten; dies missfiel ihm. denn er wollte keinen Dank auf Erden, da hierdurch der Werth seiner "WobIthat nur herabgedrückt würde: aus demselben Grunde freute er sieh, als er bald darauf hörte, andere Personen, für deren Beköstigung er sich bemüht hatte, hätten ihn undankbarer Weise geschmäht. R. Akiba nahm nach langem Sträuben erst dann das ihm angebotene Amt eines Gemeindeältesten an. als man ihn darauf aufmerksam »nachte, dass er als solcher für seine Bemühungen viel Undank ernten würde. ,Jer. Fea vni, « (21a). ף Chagiga ob; Pessachim 113b. 4) li. Jose versuchte einst vergeblich, eine für ein zu besetzendes Gemeindeamt geeignete Persönlichkeit zur Annahme desselben zu bewegen; erst dann willigte einer ein, als ihn R. Jose aufmerksam machte, dass b. Baba im Tempel eine äusseriieh ganz untergeordnete Stellung eingenommen habe und doch zu den grössten Personen seines Zeitalters gezählt wurde; um wie viel ehrender sei dies auf Vertrauen beruhende Ehrenamt in einer Gemeinde. Jer Pea VIII, 6 (21a); Schekalim V, 1 (48d); vgl. Mischna V, 1. ף Kidduschin 76 b Mitte.