Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Die absetzbaren Hohenpriester während des zweiten Tempels
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 595 Neben diesen fünf Hohenpriesterfamilien vertieren sich die vereinzellen Hohenpriester und stehen in einem unbedeutend statistischen Verhältniffe zu diesen Gruppen. Unter Herodes N. kommt nur ein Einziger vor, den man nicht unter diese Familien rubriciren kann, nämlich M athias b. Theophil; unter dem ersten Procurator Gratus nur Jesus b. Sie, wenn dieser nicht identisch ist mit Auanias b. Ses, indem beide auf Elaasar aus dem Hause Boethos folgen und von Gratus ab ge setzt wurden^). Unter den Procuratoren unmittelbar nach Agrippa l. kommt wieder nur Einer vor, nämlich der schon erwähnte Auanias oder I och a n a n b. N e d eb ai. Erst in den letzten Jahren des jüdischen Staates unter Agrippa JI. kommen drei Hohepriester nach einander vor, die nicht zu jenen Hausern gehören: Jesus b. Damnai, sein Gegner Josua b. Ga mala, und als den letzten nennt Josephns Mathias b. Theo phil, unter dessen Pontificat die Revolution ausbrach. Dies sind jedoch nicht alle; wie schon Eingangs erwähnt, ist Josephns selbst bei genauer Zahlenangabe nicht zuverlässig. Der Talmud nennt ebenfalls einen vereinzelten Hohen- Priester, der sich durch seinen beispiellosen Neichthum auszeichnete, nämlich Eleasar b. Lharsom, und es wäre unkritisch, dessen Existenz deswegen abzuleugneu, weil Josephns ihn nicht eingereiht hat. Aus dieser statistisch bewiesenen Anomalie und aus einigen Andeutungen im Talmud und Josephns erfahren wir, daß es auch in der Unwürdigkeit Grade und Abstufungen gibt und daß die Verwerflichkeit der Hohen- Priester unter Agrippa ll den höchsten Grad erreicht hat. Der Talmud, der das Andenken des Josua b. Gamala in Ehren gehalten wissen null, well er für Anlegung von Volksichuleu in jeder großen und kleinen Stadt Sorge getragen hat^), verfehlt dennoch nicht die Mittel anzugeben, durch welche er zur Hoheupriesterwürde gelangt war. Ben Gamala hatte sich mit der reichen Patricierwittwe Martha aus dem Hause Boethos מרתא בת ביתום verlobt, die ihm erstaunliche Summen von Golddenare als Heirathsgnt mitgebracht hat. Zwei Kab Denare schickte Martha dem König Agrippa und ruhte nicht eher, bis ihr'Verlobter als Hoherpriester anerkannt wurde. Das war der erste Fall, daß ein Hoherpriester eine Witwe geehelicht hat; die Ehe wurde gestattet, weil sie ihm bereits vor dem Antritte seines Amtes angelobt war. Josephns ergänzt auch hier dieses grelle Gemälde durch einige Züge. Jesus b. Damnai, gekränkt darüber, daß ihm b. Gamala vorgezogen wurde, und dieser wieder, der die feindseligen Herausforderungen seines Gegners nicht gleichgültig hinnehmen wollte, boten ln den Plätzen Jerusalems das Schauspiel feindlicher Adelshäuser, wie ste Shakespeares Muse durch ׳die Figuren der Montagni und Capuletti verewigt hat. Sie mietheteu beiderseits verwegene, handfeste Söldlinge, welche in den Straßen Jerusalems mit Schimpsworten, Steinwürfen und Stockschlägen die Ehre ihrer Brodherren zu retten hatten 5). Es war daher eine natürliche Folge, daß sich der Groll des Volkes und der Zeloten in der 3) Alterth. 17. 3. 18. 2. und 18. 3, 4) Baba Batra 21. 5) Am. XX, 9. 45