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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-12-01 · Heft 15 (Dezember 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 15 (Dezember 1852)
Article
Die absetzbaren Hohenpriester während des zweiten Tempels
Date
1852-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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587 Wissenschaftliche Aussätze. Den einen Ruhm kann n!an den jüdischen Lehrmeistern nicht streitig machen, daß sie in ihren, wie immer beschaffenen Berichten me schmeicheln, nie beschönigen, nie das Ansehen der Person auf Kosten der Wahrheit heben. Wie die heiligen Geschichtserzähler, die geschichtlichen Propheten, die sündhaften Thaten der gefeierten Helden, der Davide und Salomone nicht verschweigen, sondern sie schonungslos brandmarken, eben so wenig bemäntelt die spätere Chromstik, die zum Theil in den Talmud ausgenommen wurde, die Unwürdigkeit der höchsten Würdeträger des Tempels. Sie scheut sich nicht die Repräsentanten des Heiligthums, die Reihe der absetzbaren Hohenpriester bis zum Tempel- Untergänge, an den Pranger zu stellen und sie der Verachtung der Nachwelt preis zu geben. Die jüdische, oder was dasselbe ist, die Latmudische Chromstik, wo sie facti sch erzählt und nicht gerade hagadi sch dichtet, ist musterhaft in ihrer Wahrheitsliebe und Unparteilichkeit. Wenn Josepbus und der Talmud im Widerspruche über einzelne Umstände und Nebenzüge oder Namen uneinig sind, so darf man keinen Augenblick Anstand nehmen, sich auf die Seite der talmudischen Berichte zu schlagen. — Wir besitzen ein kleines, kostbares Bruchstück im Talmud aufbewahrt, das in wenigen, kräftig derben Zügen die ganze Erbärmlichkeit der Hohenpriesterwirthschast der letzten hundert Jahre aufdeckt und in wenigen Worten mehr sagt, als Josephus in seinen umständlichen-. Berichten. In einem Miniaturbild gibt dieses Bruchstück die anschaulichste Gruppirung jener so zu sagen feudalen Hohenpriesterschast, die kriecherisch vor den Machthabern des Tages, stolz und übermüthig den Fuß aus den NaKey des Volkes setzte, als wollte sie sich für ihre Demüthigung an irgend etwas rächen. In der Thai gibt nichts ein so scharfes und deutliches Bild von der Zersallenheit und Trostlosigkeit des unter so schweren Wehen geborenen jüdischen Reiches, als die rasche Aufeinanderfolge einer Anzahl Hoherpriester, welche bald ein jüdischer Vasallenfürst, bald ein römischer Landpffeger ein- und absetzt, dieselben zum zweiten Male einsetzt, um sie gelegentlich wieder abzusetzen. Das hohepriesterliche Gewand lag in einem steinernen Gewölbe der Burg Antonia unter Siegel und Riegel; sieben Tage vor dcn Hauptfesttagen ließ es der römische Landpfleger demjenigen Hohenpriester einhändigen, der ihm gerade recht war. Und die Geschmeidigkeit und Gefügigkeit der Hohenpriester ist bewunderungswürdig, wie sie sich diese demüthigende Investitur nicht nur gefallen ließen, sondern darum bettelten, sie mit schwerem Gelde bezahlten. Der Talmud hat die interessantesten Anecdoten über diese Simonie der Hohen- Priester. Der Eine schickte durch seinen Sohn dem Landpfleger ein gehaustes Maaß Silber für das Amt, ein Anderer ein eben so gefülltes

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