Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Die absetzbaren Hohenpriester während des zweiten Tempels
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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586 Wissenschaftliche Aussätze. ihr Vaterland und ihr Gesetz verrathen, Hohepriester haben es wieder gerettet; Hohepriester waren die Lehrer und Vorbilder des Volkes, Hohe- Priester waren seine Verführer und Jrrlehrer. Hohepriester haben mit ihrem Leben den Tempel, das Svmbol der Volks- und Religionseinheit, geschützt, Hohepriester haben diese Einheit durch Nebentempel zerrissen. Hohepriester haben sich neben das heilige Stirnblech das königliche Diadem aufgesetzt und das Land von der Fremdherrschaft gesäubert, Hohe- Priester haben die blutgierige Wölfin Roma in Judaas Gefilde gebracht. Das Haus Aarons hat nächst dem Hause Davids den meisten interessanten Stoff zur jüdischen Geschichte geliefert. Die Tugenden und Laster des Hauses Aaron bilden die Licht- und Schattenseiten des zweiten Tempellebens, wie die Treue und der Abfall des Hauses David die Höhen und Niederungen des ersten. Zu einer Zeit zierte die dreifache Krone das Haupt der Aaroniden, die Krone der Lehre, die Krone des Hohenpriesterthums und die Krone des Königthums, und die unparteische Geschichte konnte nicht umhin, auch die Krone des guten Rufes hinzuzufügen. Zu einer andern Zeit war der Hohepriesterschmuck nur noch ein Spielball in der Hand des Ehrgeizes, der Habsucht, der Niedrigkeit, die ihn selten nach Verdienst, meistens nach größerm Preisgeböte oder nach Laune vergab. Mit dem Tode der letzten erblichen Hohenpriester, mit dem gutmüthigen Schwächling Hyrcanos II. und dem tollkühnen Autigonus, schlug die Todesstunde des jüdischen Staates, und die letzten 103 Jahre der Herodianer waren nur noch die langen Todesznckungen, welche der leidende Messias, das Messias-Volk, seiner Unsterblichkeit gewiß, mit gebrochenem Auge und zerrissenem Herzen erduldete. Der erste Hohepriester, der den hohenpriesterlichen Brustschild aus der Hand des idumäischen Anmaßers Herodes angenommen, hat die erste Brandfackel an das Allerheiligste gelegt, und der römische Soldat, der später von einem Kameraden gehoben, in argloser Zerstörungslaune den Brandstoff durch das goldne Fenster in den Tempel geworfen, war nur der mechanische Draht, der den tödtenden Blitz hierhin oder dorthin leitet. Glücklicher Weise trifft diese Schande charakterloser Willsährigkeit keinen einheimischen Priester: so entartet war kein Mitglied der 24 Priesterklaffen, die durch das Blut der HaSmonäer zum zweiten Male geweihten hohenpriesterlichen Gewänder aus Herodes Befehl an zulegen. Ein Fremder war cs, der zu dieser Entwürdigung des heiligsten Amtes seine Hand geboten. Josephus nennt ihn Ananel den Babylonier, die Mischna nennt einen Chanamel, den EgypLer (Alexandriner); Babylonier und Alexandriner sind öfter mit einander verwechselt 1). 1) Vgl. Joma 66. Menachot 100.