Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Galerie jüdischer Reisebeschreiber
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Galerie jüdischer Reisebeschreiber. 577 und Silber verfertigten Gewändern auf einem Maulthier: auf seinem Haupte trägt er einen mit unschätzbaren Juwelen bedeckten Turban, und über diesem ein schwarzes Tuch als Zeichen der Demuth, um hierdurch auszudrücken: ״Sehet diese Herrlichkeit wird am Tage des Todes Finsterniß bedecken"-'). So ziehet er umgeben von mahomed. Großen, von Fürsten aus Arabien, Medien und Persien und dem drei Monate entfernten Tibet, von seinem Pallaste nach der am Thore Bosra») gelegenen großen Moschee. Alle die Mitziehen sind gekleidet in Seide und Purpur und vor dem Kalisen befanden sich auf den E traßen Sänger und Tänzer, die ihm laut zuriefen: ״Friede dir unser Herr und König", und er küßt sein Kleid und winkt ihnen mit ihm ,,Schalom" zu. Eingetreten in die Moschee besteigt er eine hölzerne Kanzel, predigt dort aus ihrer Lehre (dem Koran): und diemahomedanischen Gelehrten treten hin und beten für ihn^), und es erfolgt ein allgemeines Amen, worauf er sie segnet. Man bringt dann ein Kameel, welches er schlachtet — dieses ist ihr Pesachopfer — er gibt davon den Großen, die wieder an Andere davon schicken: Jedermann wünscht von dem Thiere zu essen, das der Kalife selbst geschlachtet. Hierauf tritt er aus der Moschee, und gehet allein am Ufer des Tigris nach seinem Pallaste zurück; die Großen begleiten ihn zu Schiffe, und nun verläßt er nicht wieder das ganze Jahr seinen Pallast. Dieser Weg den er bei seiner Zurückkehr nach seinem Pallaste nimmt, darf das ganze Jahr von keinem Menschen betreten werden. — Der Kalife ist ein frommer und wohlthätiger Mann: er hat jenseits des Stromes, an einem Arme des Tigris °), ein großes Gebäude aufführen und darin Häuser, Straßen und Herbergen für kranke Arme errichten lassen: auch sind dort an sechzig Apotheken die die Specereien (Medicamente) und das sonst Nöthige vom Kalifen beziehen. Jeder Kranke der dahin kommt wird bis er genesen, auf Kosten 3) B. gibt hier eine Vorstellung wieder, wie sie unter den Juden zu Bagdad und unter der 'Menge gäng und gäbe sein mochte. Das Volk liebt überhaupt dichterische Ausschmückung, Der Kalif trug einen schwarzen Schleier, weil, wie eben bemerkt wurde, ״schwarz" die Leibfarbe der Äbbasiden war. 4) Eigentlich Bostan. Ritter S. 259. 5) Das bekannte Kanzelgebet auf den Kalifen. Die Nennung des Namens des Kalifen (fo wie die der Sultane im Kanzelgebete) war die eigentliche Anerkennung: Asiens Boden wurde mit ungeheuer« Blutströmen, im Streite auf wen dieses Gebet verrichtet werde, getränkt. 6) Im Texte heißt es hier irrthümlich!?.12 שפת זרוע für חידקל, und befremdend ist, daß Asher^ diesen Fehler nicht bemerkt und on the banks 0i an arm of the Euphrates übersetzt.