Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Galerie jüdischer Reisebeschreiber
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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576 Galerie jüdischer Reisebeschreiber. Meter Teich, so daß in diesem Garten Lustjagden und Fischereien angestellt werden können r). Dort lebt der große Äbbafidische Kömg, der ein großer Gönner Israels ist und viele israelitische Beamte hat ף. Er verstehet alle Sprachen und ist in der Lehre Mosts sehr erfahren und spricht und liest die heilige Sprache (hebräisch). Er verfertigt Teppiche, die mit seinem Siegel belegt von seinen Großen verkauft und von den Vornehmsten gekauft werden: aus dem Erlöse lebt er 7 8 9). Er ist ein guter und wahrhafter Mann, gegen alle Menschen wohlgesinnt. Er zeigt sich selten den Mahomedanern. Wenn die nach Mceca wallfahrenden Pilger durch Bagdad ziehen und sein Antlitz ״das Licht der Mahomedaner und den Glanz des Korans" zu sehen wünschen, reicht er de» Zipfel seines Kleides aus dem Fenster, und die Pilger küffen es freudig und gehen wohlgemut!) von hinnen *). — Die Brüder des Kalifen haben ebenfalls Palläste angewiesen, doch werden sie in diesen strenge bewacht, daß sie sich nicht gegen den großen König!Kalifen) erheben. Sie hatten sich einst gegen ihn empört und einen seiner Brüder an seine Stelle gesetzt, und da wurde über sie jene Hast beschlossen, in denen ihnen übrigens alle Genüsse zu Gebote stehen9). — Der Pallast des Kalifen enthält große Gebäude, in denen Säulen von Silber und Gold, kostbare Juwelen und sonst große Schätze. Er verläßt seinen Pallast nur einmal im Jahre, an dem sogenannten Ramadanfeste. Die Menschen strömen da von der Ferne herbei, um sein Angesicht zu sehen. Er reitet in königlichen aus Gold 7) Ueber die Palläste Bagdads vgl. Hammer-Purgstall Gemäldesaal Th. 2. S. 183. 8) Am Hofe der Kalifen waren nicht selten jüd. Aerzte 11. f. w. Die asiatischen moslimitischen Herrscher waren in der Regel den Juden nicht abgeneigt: selbstvon dem vierten bigoten Kalifen Motawakkel dürste diese starke Abneigung noch zu bezweifeln sein. Nur die africanischen Herrscher der fanatischen Morabiten und Mowahiden kannten Glaubensverfolgungen, die unter Jusuf b. Taschstn, und noch mehr unter Abdolmumin die Juden in Spanien im 12. Jahrh. hart trafen. 9) B. will nicht sagen, daß der Kalifc so arm sei, daß er von seiner Hände Arbeit leben muß (wie es Ritter a. a. O. S. 258 aufgefaßt hat: ״er hat kein Einkommen, als das er durch die Arbeit seiner Hände gewinnt"), sondern er ist von so strenger Tugend und Einfachheit, daß er nur von seiner Händcarbeit leben will: bei den Juden ist dieses ein großes Lob (יגיע כפיך כי הואכל); und es gehet aus dem ganzen Zusammenhänge hervor, daßB. Obiges nur zur Glorificirung des Kalifen anführt. 1) Eigentlich eine Art Fahne, 'vgl. Lebrecht S. 391, 2) Ueber eine gegen Mostanged (von diesem Kalifen spricht B.) von dessen Bruder ausgegangene Empörung vgl. Morigny a. a. O.