Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Galerie jüdischer Reisebeschreiber
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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574 Galerie jüdischer Reisebeschreiber. den ihn selbst sprechen lassen, sowohl wegen seiner naiven Erzählungsweise als wegen seines ausführlichen Berichts über das Exilober- Haupt (ראש גלוחא), und schicken zu besserer Verständigung einige Bemerkungen voraus. Kalifen, Stellvertreter des Propheten, so nannten sich seit Ebubeker 2) die Nachfolger Mahomeds, die in sich die weltliche und geistliche Herrschaft vereinigten, in letzterer Hinsicht ״Emir al Mnmenin", Fürst der Gläubigen genannt'). Schon bei dem durch Meuchelmord herbeigeführten Tod Ali's, des vierten Kalifen, brach eine bis in die Gegenwart fortdauernde Spaltung über die rechtmäßige Nachfolge aus (vgl. oben S. 533). Eine Zeitlang behauptete sich die Dynastie der Omajiden: sie wurde im I. 752 durch Abbas den Stifter der Abbasidischen Dynastie verdrängt 2). Der zweite Abbastdische Kalise Mansur gründete im I. 764 die Stadt Bagdad am Tigris, die nun die Hauptstadt des Kalifats wurde, und an Pracht und Größe der (königlichen) Paläste und der in ihnen zur Schau gelegten Herrlichkeiten Alles übertraf, was die damalige Welt kannte. Aber schon nach den ersten vier ersten Herrscheru dieses Hauses nahm die Macht der Kalifen ab: viele Hauptlinge erhoben sich, und die seldschukischen Fürsten hatten sich allmälig in den Besitz der Länder des Kalifats gesetzt, so daß die Kalifcn kaum noch Bagdad inne hatten und nur als geistliches Ober- Haupt Ansehen genossen. Aber auch als solche waren sie im Grunde nur Werkzeuge in der Hand der weltlichen Fürsten, die zwar von ihnen eine Art Investitur annahmen, die aber die Kalifen nicht abschlagen konnten: ließen sie sich je dieses beigehen, so war es gewöhnlich mit Kosten ihres eigenen Lebens. Doch das Kalifat flackerte noch einmal vor seinem gänzlichen Verlöschen^), wenn auch nur auf kurze Zeit, auf. Moktafi, der fünfzigste Abbastdische Kalif wagte eS, sich von der Gewalt des seldschukischen Sultans Masud zu cmancipiren: er war nahe daran Krone und Leben zu verlieren, als der Tod ihn von seinem Gegner besreiete und er wieder selbstständig zu Bagdad zu herrschen anfing. Dieses trug sich im I. S> Vgl. Hammcr-Purgstall Th. 1, S. 242. 1) Bgl. Mehreres über die Benennung der Kalifen bei Lebrecht Essay Asher Th. 2. 2) Die Leibfarbe dieser Dynastie und ihrer Anhänger war schwarz, vgl. Hammer Th. 2, S. 138. 187. 3) Durch die Mongolen im I. 1258. Der letzte Kalife Mostasem wurde in Decken cingehüllt zu Tode geprügelt. An seiner geheiligten Person selbst wagte man nicht sich zu Vergreifen. Hammer Geschichte der Assasiaen. S. 3V6.