Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 15 (Dezember 1852)
- Article
- Galerie jüdischer Reisebeschreiber
- Date
- 1852-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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572 Galerie jüdischer Reisebeschreiber. gepflegt, und von wo aus das Glaubenslicht nach allen Seiten verbreitet wurde. Mesopotamien batte sich, während Palästina's Glanz allmälig verdunkelte bis er durch die Zerstörung Lurch Gallus völlig erlosch (S. 566) zur Pflanzstätte des Glaubens erhoben: Sura und Pumbedita blüheten vom 3. Jahrh. bis zum 11. Jahrh., durch diesen großen Zeitraum Träger und Brennpunkte des Judenthums. In diesen Gegenden finden wir denn noch auch in B.S Tagen die Juden in großer Anzahl, und auch noch weiter gegen Westen hi», in Syrien und Cölesyrien. Für dieses Gedeihen unter mahomedanischer Herrschaft, ist der Aufschluß sowohl vom religiösen als vom politischen Standpunkte aus zu finden. Der Mahomedaner erkennt in dem Ungläubigen eine» natürlichen Feind seines Glaubens: Mahomed selbst hatte diesen Grund gelegt im Gefühle der bitteren, bei seinem Auftreten gemachten Erfahrungen. Es gilt also dem Kampfe mit dem Feinde, eigentlich der Selbstwehr! ist der Feind besiegt, so verbietet die Großmuth des Orientaten ihn völlig zu vernichten; dem schwachen machtlosen Feinde Barmherzigkeit ist die Losung des Orients. Der verzeihliche Egöismus des Islams kennt daher nicht die vergossenen Blutströme Jener die sich nicht wollen beseligen lassen, und daher auch nicht Judenverfolgungen um des Glaubens willen. — Aber auch vom politischen Standpunkte aus konnte in jenen Ländern zu dieser Zeit eine allgemeine Verfolgung der Juden nicht auskommen. Die Streitigkeiten hie um das Kalifat schon im ersten Jahrh. der Hegira ausbrachen und die selten ganz gestillt wurden, hielten Machthaber und Bewerber um Macht zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt; und es mochte vielleicht auch eine kluge Rücksicht erheischen, sich nicht in den Juden neue Feinde zu machen, die wenn auch nicht eine Stütze, doch einen leisen Anhalt der einen oder der andern Partei geben konnten. Zudem nahmen auch manche große Herrscher den Thron ein, und diesen ist gewöhnlich Verfolgung des Schwachem fern: Harun al Raschid und dessen Sohn Mamun glänzen als Beförderer der Wissenschaften und des guten Geschmacks, und neben ihnen stellt dieser Zeitraum auch andere große mahomedanische Fürsten auf: und während Europa mit dichter Finsterniß bedeckt war, blühet« sowohl im maurischen Spanien als im Morgenlände des Islams goldenes Zeitalter. SS.’ä erste Reise von Palästina aus ging nach Damascus, und schon hier, welcher Gegensatz zu den früheren Wahrnehmungen! Damascus, die ״Paradisdustende" °), an Strömen gelegene und von 6) So bei den Arabern genannte Vgl. Hammec-Purgstall Th. ö. S. 210. woselbst eine Beschreibung von Damascus.