Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 14 (November 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Belgien. SSL halten. Er zeichnete sich auch über die Maßen aus, ward nach vier Jahren mit Distinction entlassen, erhielt anfänglich eine Unterlehrerstelle in Holland und ward mehrere Jahre später an der Brüsseler israelitischen Primärschule, an demselben Institute, an welchem er den Elementarunterricht erlangt batte, als Lehrer angesiellt. Ein zweiter Zögling dieser Schule, Leon Asser, welcher Anlage zum Religionsunterricht zeigte, erhielt im I. 1828 von der holländischen Regierung ein Stipendium zur Betreibung dieses Studiums; genoß diese Gunst aber nur zwei Jahre bis zur Revolution und setzte in Belgien das ReligionSstudium nicht fort 1). Wenn wir uns bisher fast ausschließlich ans das beschränkt haben, was in der Hauptgemeinde Brüssel geschehen und von ihr geleistet worden, so muß dieses nicht verstanden werden als ob abseiten der Regieruug gar nichts für die übrigen jüdischen Gemeinden Belgiens geschehen, und respective von diesen eben so wenig geleistet worden sei. Nur fand hier freilich oft das statt was überall der Fall ist, wo das Centralisationssystem vorherrscht. Gent, Antwerpen, Bergen (Mons im Hennegau), Namnr u. A. — die Ortschaften welche zum Mastrichter Sprengel gehörten, müssen in dieser Hinsicht wie holländische Gemeinden betrachtet werden und gehören also nicht hieher — waren jede ihrem verschiedenen Range gemäs ziemlich gut organisirt, und hatten auch ihre Neligionsschulen, welche summt einigen Cultusbeamten von der Negierung, zum Theil auch von den Localbehörden verhältnißmäßig subvenirt wurden; da aber dort die jüdische Bevölkerung fast noch mehr wie in der Hauptstadt aus sehr heterogenen Elementen zusammengesetzt und wegen geringerer. Vermögensumstände noch mehr als letztere dem Wechsel unterworfen war, so ist nichts Besonderes über sie zu berichten. Die Intoleranz stand den jüdischen Biirgern sehr im Weg, und der früher besagte Lotterieunfug galt,׳ obschon er lange ansgehört hatte als Vorwand, um ihnen an mehrern Orten Thür und Thor zu versperren. Wenn es daher in dieser Hinsicht nicht zu unwürdigen Austritten und Katastrophen ernst- Hafter Art kam, so ist es lediglich den klugen Vorsichtsmaßregeln der humanen Landesregierung beizumessen., die es nirgends an geschärften Befehlen ermangeln ließ; wie sie sogar im I. 1820, als zum neunten Male das fünfzigjährige Jubiläum der sogenannten miraculösen Hostiengesäüchte aufs Feierlichste zu Brüssel celebrirt und die Gemälde, welche die Greuel und den ganzen Vorfall der Judenverfolgung vorstellen, öffenilich zur Schau gestellt werden sollten, allen etwaigen unglimpflichen Begeg- 1) Wir haben um so mehr geglaubt diesen Gegenstand einigermaßen umstündlicher erörtern zu müssen, als die flcvuc orientale a. a, O. demselben kaum drei Zeilen zu widmen für gut befunden. Sunm cuiqnel