Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 14 (November 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Belgien. 35« verlieren mußte, weil er bei den preeären öffentlichen Umständen nicht umhin konnte, den Nuf als Vorsänger zu Jamaica anzunehmen. Ganz anders war es aber in jeder Hinsicht mit dem Schul- und UnterrichLswesen unter der holländischen Negierung bestellt, bei den jüdischen Gemeinden in Belgien überhaupt und bei der in Brüssel insbesondere. Nachdem ein königliches Edict vom 10. Mai 1817 die Errichtung der Schulen für den Neligionsunterricht in allen israelitischen Gemeinden, und die Organisation von Allem was damit in Bezug stehet vorgeschrieben hatte, wurden sogleich von dem Vorstand in Brüssel die nöthigen Anstalten hierzu getroffen und der früher benannte Secretär besonders beauftragt die nöthigen Vorkehrungen ins Werk zu setzen. Es wies sich jetzt ans, wie sehr der religiöse Unterricht von der vorhergegangenen französischen Behörde vernachlässigt worden, da von den bereits Erwachsenen, besonders unter dem weiblichen Geschlechte fast Niemand mit den Vorschriften des Cultns und den Gebeten bekannt war; weßhalb in die unterste Klaffe der zu errichtenden Schule Frauenzimmer bis über 20 Jahre zugelassen werden mußten. Die eigentliche wohlorganisirte Schule kam erst im I. 1822 zu Stande, als ein ausreichender Fonds durch Subscription bei den wohlhabendsten Gemeinde- Mitgliedern zusammengebracht war, wozu der damals sich zufällig hier befindende Baron von Rothschild aus Paris mit einer Gabe von 250 Gulden den Grund gelegt hatte. Auch die MunicipaL- und Provinzialbehörden, besonders aber der Staatsfonds trugen reichlich das Ihrige bei, und so ward es bald möglich, daß eine Anzahl von 60 bis 70 Kindern von beiderlei Geschlecht aus den mittleren und untersten Klassen der jüdischen Bürger in allen Fächern des religiösen und Elementar- Unterrichts, in der hebräischen, niederländischen, französischen und deutschen Sprache, im Schreiben, Rechnen, Geschichte und Geopraphie nach der vortrefflichen Pestalozzischen Methode Unterricht erhielten; ferner wurde auch vielen Schülern behufs der Handwerke welche sie erlernen sollten, mehrmals in der Woche Unterricht im Zeichnen ertheilt. Es wurde von allen Seiten so viel Elser und Fleiß an den Tag gelegt, daß kaum zwei Jahre verflossen waren, als die israelitische Schule in Brüssel zu den besten und am zweckmäßigsten eingerichteten Schulen in Belgien gezählt, rind von den Schulinspectoren der Negierung sehr belobt und fast als Muster angepriesen wurde. Sie erhielt deßhalb auch von der Regierung das Privilegium, einen ihrer besten Schüler auf Gouvernementskosten in die königliche Normalschute nach Hartem zn senden. Der dazu erkorne Jüngling Jacques Stein erhielt überdies aus der königlichen Schatulle einen besondern Zuschuß, um ihm die Mittel zu erleichtern außerhalb des Institutes bei seinen Glaubensgenossen Kost und Logis zu er-