Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 14 (November 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Briefe aus Belgien. nungen der jüdischen Eingesessenen dadurch vorbeugte, daß die ganze öffentliche Schaustellmig unterlassen werden und Alles sich blos auf die Feierlichkeiten innerhalb der Kirchen beschränken mußte. Daß aber weder in der Hauptstadt noch an andern Orten im Lande fast kein einziger Jude zu einer öffentlichen Stelle oder zu irgend einem vom Staate besoldeten Posten gelangen konnte, müßte um so auffattender erscheinen, da zur nämlichen Zeit in den holländischen Provinzen eine bedeutende Anzahl Israeliten zu allen , ja fast bis zu den höchsten Aemtern berufen wurde, wenn man nicht den doppelten Grund in Erwägung zöge: welchen wir zu erörtern bereits Gelegenheit hatten, nämlich die geringe Anzahl jüdischer Bürger aus früherer , Zeit, und das religiöse Vorurtheil, welches sogar die tüchtigsten Männer unter den Protestanten und Reformirten ausschloß, so oft Katholiken, wenn auch minder fähig, als Mitbewerber auftraten. Dieses konnte jedoch natürlich der Concurrenzbei öffentlich ausgeschriebenen Preisfragen keinen Abbruch thun; und mehrere geschickte Israeliten trugen bei solchen Gelegenheiten nicht selten den Preis davon. Unter diesen ist besonders hervorzuheben der junge, leider aber nicht lange nachher als Opfer seines menschenfreundlichen Anerbietens, bei einer ausgebrochenen Epidemie ärztliche Dienste zu leisten, zu früh dahin geraffte Dr. Conrad aus Brüssel, welcher die große goldene Ehrenmedaille beim allerersten Coucurs an der Universität Löwen, wo er studirte, erworben hatte. — Bei solchen Be- Wandnissen war es um so überraschender, daß das im I. 1826 errichtete brüsselsche Departement der, seit 1784 von einem protestantischen Geistlichen in Holland gestifteten, und nicht nur im ganzen Lande sondern auch in den oft- und westindischen Kolonien verbreiteten und über 15,000 Mitglieder zählenden Naatsebappv Tot Nut van bet algemeen (Gesellschaft zum gemeinen Nutzen), das Einzige von allen 110 bis 115 Dcpartementen oder Abtbeilungcn war, welches Israeliten als Mitglieder ausnahm. Es erhielt sogar ein Israelit — der oft erwähnte ehemalige Secretair der Gemeinde —, in einem öffentlichen Concurs der die topographische Beschreibung Brüssels zum Gegenstand hatte, die erste goldene Medaille als Preis. —־ In den späteren Jahren gab es auch Beispiele von belgischen Juden, welche zu Ehrenposten und öffentlichen Aemtern ernannt wurden, sowie bei der Loeiete generale oder sogenannten brüsseler Bank schon vom Anfänge ihrer Stiftung zwei Israeliten bedeutende Stellen bekleideten.