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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-11-01 · Heft 14 (November 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 14 (November 1852)
Article
Briefe aus Belgien
Date
1852-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Briefe aus Belgien. 545 Allgemeinen Geschichte der Juden, ungeachtet ihrer Scheingrüude gegen die Vaterlandsliebe der Gläubigen an einen Messias u. s. w. Etwas in der Sitzung der Nationalversammlung auszurichten, als die Emancipa- Lion der Inden zur Sprache kam. Die kräftige und vorurtheilssreie Sprache eines Do I-Iahn, Lublinck de Jonge, u. m. A. trug den Sieg davon und am 2. September 1796 erhielten die niederländischen Juden ein Vaterland, und die batavische Republik in ihnen eine zahlreiche Schaar fleißiger Bürger und tapferer Vertheidiger. Wir haben es uns nicht zur Aufgabe gestellt, die Geschichte der Juden in Holland durchzugehen; was wir hier davon berühren soll blos darthun, daß die Juden in Holland sich ihre Freiheit und Gleichstellung erkämpft haben, sie also wie jedes mühsam errungene Besitzthum stets werth hielten und nie gleichgültig ansahen, wenn ihre Rechte außer- oder innerhalb des Landes streitig gemacht wurden.' Nicht einmal Kaiser Napoleon wagte es das verrufene Decret von 1807 hier einzuführen; und so übelgelaunt ihn auch die katholische Geistlichkeit bei seiner Durchreise zu Breda im I. 1811 gestimmt und verursacht hatte, daß den Deputirten der jüdischen Gemeinde zu Utrecht einigermaßen unfreundlich von ihm begegnet wurde, so sah man ihn doch schon den Tag darauf ganz umgestimmt und fast zuvorkommend, als er bei seinem feierlichen Einzug in Amsterdam vor dem geöffneten, prachtvoll geschmückten und erleuchteten jüdischen Tempel von Hi6(1 .׳ Lemon an der Spitze und im Namen der jüdischen Behörden angeredet und begrüßt wurde. — Wie freundlich und vorurtheilssrei König Wilhelm I. seine israelitischen Unterthanen in Holland behandelte, wie sehr er ihre Talente und Anhänglichkeit belohnte und den einzelnen Gemeinden mit bedeutenden Summen aus seiner Privatcaffe Vorschub leistete, ist allgemein bekannt. Der Fürst und die ganze Nation wußten, daß die Juden ihre Emancipation wohl erworben hatten. Anders war es bei den meisten französischen Juden: diese sahen sich auf einmal emancipirt ehe sie sicl/s vermutheten, manche sogar ohne daß sie cs wünschten. Die Tagesordnung der Revolution wollte es so haben, und man hätte sie vielleicht dazu gezwungen, wenn sie sich nicht gutwillig zur Gleichstellung bequemt hätten. Nun aber gar in Belgien! Da fanden die Juden die Emancipation entweder aus sie warten, oder sie brachten sie aus der Fremde mit sich; es war für sie eine reife Frucht auf einem Baume, den sie weder gepflanzt noch gepflegt hatten; sie stand vor ihnen auf dem Tisch, und sie brauchten kaum die Hand danach auszustrecken. Daher die Gleichgültigkeit, welche man bei unfern belgischen Glaubensgenossen bemerkte, wenn von dieser Wohlthat die Rede war; daher die geringe Theilnahme, deren sich meistentheilö die Organisation

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