Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-11-01 · Heft 14 (November 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 14 (November 1852)
Article
Galerie jüdischer Reisebeschreiber
Date
1852-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829148-2841725--00656-2841745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

528 Galerie jüdischer Neiftbeschreiber. seinem Hause vor, während sie zu dieser Zeit in anderen Ländern Europas der tiefsten Verachtung und empörenden Gewaltthätigleiten preisgegeben waren. Die Päpste suchten im Fanatismus einen Stützpunkt, aber sie selbst waren nicht selten zu vernünftig, um nicht über dem Fanatismus zu stehen, er war ihnen eigentlich nur eine politische Hebel. Aus diesem Gesichtspunkte ist manches harte canonische Gesetz zu erklären, das von dem den Juden nicht abholden Alexander!11. ansgingi), sowie der Ausdruck, mit welchem ein anderes von ihm erlassenes Gesetz schließt: ,,die Juden sollen den Christen unterworfen sein und werden nur von ihnen aus Menschlichkeit geduldet."^). B. erzählt Manches über römische Denkmäler im Geschmacke seiner Zeit, der das Sagen- und Wunderhafte die Stelle der Geschichte und Geschichtsforschung vertrat. In der Kirche St. Giovanui an der Porta Latina befinden sich zwei vom König Salomon verfertigte kupferne Säulen, (vgl. 1. Kön. 7, 41), auf deren jeder ״Salomon Sohn Davids" eingegrabcn ist. Die römischen Juden erzählten unserm Reisenden, daß jährlich am neunten Ab (dem Zerstörungstage Jerusalems) diese Säulen stark schwitzen. — Zu Rom, sagt er ferner, ist eine Höhle, ״in welcher Titus die aus dem Tempel zu Jerusalem mitgebrachten Gefäße verwahrte." Der Sage schwebte der ״Triumphbogen des Titus" vor, auf welchem eine Abbildung mehrerer dieser Gesäße eingehaueu ist. Endlich ist eine Hohle an der Tiber, ״in welcher die zehn Märtyrer der Hadrianischm Versolgungszeit (י' הרוגי מלבות) begraben sind". Dieses streitet zwar offenbar gegen jede Geschichte: die zehn Lehrer haben in Palästina und dessen Nähe den Tod erlitten; aber der Geist jener Zeit ließ, wleanch aus der Kirchengeschichte bekannt, überhaupt gern die Märtyrer in der Hauptstadt der Welt das Zeugniß der Glaubenstreue ablegen. Ueber Capua, woselbst er 300 Juden und unter ihnen große Gelehrte und im Lande angesehene Männer fand, ging er nach Neapel, wo ebenfalls eine größere Gemeinde und ebenso in Sa- 7) So: die Juden sollen nicht christliche Ammen, Kinderfrauen ff. halten. Decret L. V. Til VI. c 5. Dieses Gesetz datirt jedoch schon aus einer früheren Zeit und ist hier nur erneuert. 8) C. LI. X. L. 20. vgl. auch c. 23 h. 1. Aus diesen Gesetzen gehet übrigens hervor, daß die Juden bis dahin in großem Rufe der Wahrhaftigkeit standen. Das Zeugniß zweier Juden, ja sogar eines Juden, wurde gegen Christen angenommen, aber nicht das Zeugniß der Christen gegen Juden. Diese Grsetze wollen den Christen das gleiche Recht vindiciren, und sind nur im Ausdrucke verletzend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.