Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 13 (Oktober 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Briefe aus Belgien. reits erwähnt, in früheren Zeiten nicht zu Belgien gerechnet wurden, haben wir nur noch Folgendes Zn erörtern. In Luxemburg, der Hauptstadt des Großherzogthums gleiches NameuS — denn Arlon wurde vor der belgischen Revolution in 1830 kaum unter die Städte gezählt — scheinen sich schon in früherer Zeit Juden aufgchalteu und selbst Güter in Besitz gehabt zu haben; sie stammten, wie die meisten jetzigen, fast alle ans dem Elsaß und ressortirten daher fortwährend, wenigstens bis 1815, unter dem Syuagogcu-Sprcngel zu Metz, dessen Rituale sie auch bisher treu geblieben. In Lüttich, wo den Juden der Aufenthalt nie förmlich verboten war, fanden sich dennoch bis in späterer Zeit keinerlei Spuren von Gemeinden, und als der fromme Danquier S. Boas aus dem Haag 1787 dorthin reifete, um mit dem Fürstbischof ein Antehen abzuschließen, mußte er sich von einem Schochet 1tufc> Koch begleiten lassen, welche nebst dem übrigen Gefolge des Banquiers im eigenen Palafte des überaus toleranten Fürstbischofs wohnten und von ihm beköstigt wurden^). All einigen einzelnen Ortschaften der jetzigen Provinz Lüttich hielten sich dennoch fast beständig Juden aus; sie zählten sich zur Gemeinde Massyk im jetzigen holländischen Thcil der Provinz Limburg. Schließlich wollen wir noch bemerken, daß Löwen, wie man behauptet, als UniversitätsorL das Privilegium gehabt haben soll, einer gewissen Anzahl jüdischer Familien Schutz zu verleihen. Es findet sich aber nicht die geringste Spur mehr von ihnen, wofern mau nicht die Aufschrift יחשוה, welche man auf dem Giebel eines Privathauses in einer der Hauptstraßen dieser Stadt ansgehauen findet, dafür halten wollte. Andere Spuren ähnlicher Art, wie hebräische Nachschrift tett u. dgl., hat man, so weit zu unserer Kenntniß gekommen, nirgends angctroffen * *), mit Ausnahme etwa von einigen Steinen mit halb unleserlichen, halb verstümmelten hebräischen Worten, die beim Nestauriren einer alten Kirche in Brüssel auSgegraben worden. Diese wären freilieh in so weit als ein Neliquum zu betrachten, da jene Kirche in dein Stadtviertel lag, wo, vor der allgemeinen Verfolgung 1370 die Mehrzahl der jüdischen Familien gewohnt haben soll, und sich in deren Nähe mehrere Treppen befinden, die bis in die späteste Zeit unter dem Namen ׳J) Vieser Umstand ist dem Correftondenten von seinem Vater, der als Buchhalter des Boas'schen Hauses die Reise nütmachte, mitgctheilt worden. *) Nach einer dem Unterzeichneten gemachten. Mittheilung des Herrn M. de la Meuse, Minisire 0flick«ni bei der israelitischen Gemeinde zu Gent, soll sich noch an einem Hause zu Gent die Inschrift bcsinden לי לא אירא 'n. Auch wird noch eine Straße in Gent die Tempelstraße (Uue de Tcinple) nach einer einst daselbst sich befundenen Synagoge genannt. D. Red.