Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 13 (Oktober 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Belgien. 505 Juden in den nenn Departements, welche mit den heutigen belgischen Provinzen Übereinkommen, unter die Circonscription des Consistoriums zu Crefeld gebracht. So weit bekannt, ist keiner aus diesen Ortschaftcn als Abgesandter weder 1800 zur allgemeinen Versammlung der Notabeln, noch 1807 zum großen Sanhedrin ernannt und nach Pans abgefertigt worden; und eben so wenig standen sie unter einander in einigem Verhaltniß; ja es gelang kaum dem Delegirten des genannten Consistoriums, Salomon Fürth, der sich nicht lange vorher in Brüssel ctablirt hatte, wo seitdem mehrere Mitglieder seiner Familie sich ehrenvoll auszeichneten und zum Theil noch bestehen, nebst Abraham Hirsch, in der Eigenschaft als Parnassim eine Art Gemeinde zu bilden, welche aber weder im Betreff des Cultus, noch in administrativer Hinsicht einem Reglement unterworfen waren. Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit eines sonderbaren Vorfalls zu erwähnen, welcher als Beleg dienen mag, wie tief die Jgnoranz und das Vorurtheil unter der brüffeler Bürgerklasse noch vor weniger als einem halben Jahrhundert eingewurzelt waren. Als der benannte Salomon Fürth sich mit seiner Familie hier ansässig machte und ein oberes Stockwerk im Hanse eines Katholiken bewohnte, ereignete es sich, daß seine Frau mit einem Sohne nicdcrkam. Der Vater zeigte es seinem MiethSherrn an, und da man durch dessen Wohnung gehen mußte, um in die Stube des Herrn Fürth, zu gelangen, bat dieser ihn um die Crlaubniß für die Gäste, die er zur Descbneidungsfeier eingeladen hatte. Wie groß war aber sein Erstaunen, als der Hausherr es ihm geradezu abschlug, weil er die Beschueidung als eure Ketzerei betrachtete, welche ersonnen sei, um das heilige Sacrameut der Taufe zu verspotten. Herr Fürth suchte ihm begreiflich zu machen, ^daß die Beschueidung älter als das Christenthum sei, und berief sich aus das Zengniß des ersten besten Geistlichen, da er von einem solchen erwarten durfte, daß er besser unterrichtct fein würde. Glücklicherweise war der Pfarrer des Miethsherru, an welchen dieser, wie natürlich, sich zuerst wandte, ein solcher besser unterrichteter Mann, welcher dem Miethsherru zu verstehen gab, daß Christus selbst dereinst ein Jude und beschnitten war, und daß man jährlich den 1. Januar als Christi Bcschneidungstag feiert; auch bat er ihn zugleich, ihm die Gelegenheit zu verschaffen, die Ceremonie mit ansehen zu können. Das war natürlich sehr leicht zu bewirken, und der Mieths- Herr gab nicht nur zu Allem die Erlaubnis sondern erbot sich, alle Unkosten von Feier und Mahlzeit aus seine!)Rechnung zu nehmen. — Diese charakteristische Anekdote ist uns von Herrn Fürth selbst mitgetheilt worden. In Betreff der Provinzen Luxemburg und Lüttich, welche, wie be-