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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-10-01 · Heft 13 (Oktober 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 13 (Oktober 1852)
Article
Briefe aus Belgien
Date
1852-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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504 Briefe aus Belgien/ daselbst eine Professorstelle am Taubstummen-Jnstitute und ward später im Allgemeinen über alle Maßen begünstigt. Allein der unselige Krieg im Norden riß unsern Simon mit in den Strudel, den die Krisis verursachte. Er griff wieder zu den Waffen, errichtete auf seine eigenen Kosten ein Freicorps, das sich bei mehreren Gelegenheiten und zuletzt unter den Männern von Paris auszeichnete; er selbst wurde hier verwundet. Als bald nachher sein Corps aufgelöset worden, nahm er noch Dienst bei der Armee im Anfänge der Nestauration, erwarb die Zusriedenheit seiner Vorgesetzten; doch wurde sein Gesuch, mit gleichem Nang in den Kolonien angestellt zu werden, nicht nur nicht erfüllt, sondern er ward ans halben Sold herabgesetzt. Simon verließ nun bald nach dem Frieden Frankreich, nachdem er mit Anerkennung einer überaus edlen und uneigennützigen That das Kreuz der Ehrenlegion erhalten, und begab sich nach seiner Vaterstadt Brüssel zurück, woselbst er vom Könige Wilhelm I. zum Hofgraveur ernannt und mit dem Grad von Oberst- Lieutenant pensionirk wurde. Während den Nevolutionstagen von 1830 leistete der 78jährige Greis noch an der Spitze einer Compagnie der Bürgcrwache bedeutende Dienste, fiel aber bald daraus in eine schmerzhaste langwierige Krankheit, die am 12. März 1834 seinem thätigen Leben ein Ziel setzte. Er ward nach israelitischem Gebrauche, aber nichtsdestoweniger mit Bezeugung der seinem Range zukommendcn Kriegs- Honneurs, zur Erde bestattet, und D1\ Carmoly hielt ihm vor einer außerordentlichen Menge aus allen Glaubensbekenntuissen und Stauden eine Leichenrede. Diese Lebensskizze hat uns etwas von unserem Standpunkte abgeführt, und wir wollen nicht über eine ganze Generation hinwegspringen, ohne wenigstens summarisch anzugeben, daß die Juden, welche sich, wie erwähnt, in geringer Anzahl und aus mehreren Orten her, im heutigen Belgien, gegen das Ende des vorigen und im Anfänge des gegenwartigen Jahrhunderts angesiedelt hatten, mehrere einzelne Gemeinden bildetcn, unter denen die zu Gent und Antlverpcn die zahlreichsten waren, während die Niederlassung der Wohlhabendsten zu Brüssel erst späterhin Statt fand. Nirgend aber hatten fie eine Synagoge in ihrem Besitzt) oder zum Gebrauch, und seitdem das kaiserliche Decret vom 17. März 1808 alle französischen Israeliten in eine bestimmte Anzahl Consistorial- Circonstriptionen und Synagogen-Sprengel eintheilte, wurden sämmtliche J) Sonderbar genug ist es freilich, daß ein Haus ganz in der Nähe des Nathhauses in.Brüssel, welches während vieler Jahre bis noch vor Kurzem die Aufschrift Synagoge führte, nichts anderes war als eine ganz gewöhnliche Schenke oder Estaminet.

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