Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 13 (Oktober 1852)
- Article
- Briefe aus Belgien
- Date
- 1852-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Belgien. 501 halt in den südlichen Provinzen gestattet. In der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts scheint man sich an einigen Orten, besonders in Antwerpcn nachsichtsvoller gegen mehrere aus Amsterdam dahin gewanderten portugiesischen Inden gezeigt zu haben, und die Geschichtschreiber, welche hierüber Bericht abstaiten, machen sogar die Familien Teixeira, Pinto u. a. m. wie auch beit berühmten Spinoza — letzteren jedoch unter der Kategorie eines praktischen Arztes — namhaft. Aber dieses dauerte nur eine kurze Zeit, und es hat sich hieraus nicht die geringste Spur von einem solchen Toleranzact bemerkbar gemacht. Was übrigens von einem gewissen N. Comer erzählt wird, der 1651 als Decan der juristischeu Facultät au der Universität zu Löweu und später in der Amsterdam er Synagoge als Rabbiner sungirt haben soll, glauben wir unter die vielen.Mährchen zählen zu müssen, mit welchen die Chroniken jener Zeit angefüllt sind. Am sonderbarsten mußte es scheinen, daß gerade in der Haupt- und Residenzstadt Brüssel noch bis über die Hälfte des 18. Jahrhunderts die geschärftesten Edicte gegen die Juden die sich ui Brabant niederlasfen wollten ausgeftrtigt worden, wenn man nicht zugleich vernähme, daß diese Edicte nur als fiscalische Maßregel zu betrachten sind, indem alle Uebertretungen mit kleiner oder größerer Geldbüße und nur manchmal mit einem kurzfristigen Arrest verpönt waren. Von einem Beherrscher wie Kaiser Joseph!1., der in seinen Erblanden so vieles zu Gunsten und für die bürgerliche Verbesserung der Juden unternommen hatte, wäre wohl zu erwarten gewesen, daß er seinen niederländischen Unterthanen ein wahrhaft gutes Beispiel von religiöser Toleranz in Betreff der Inden gegeben hätte, allein er that Nichts dieser Art. Man sollte cs kaum für möglich halten, daß eine Verordnung wie diejenige welche zu jener Zeit in Brabant für den Indeneid eingeführt und in den Tagblättern und Geschichtbüchern in ihrer ganzen von Unsinn und Demüthigung strotzenden Weitschweifigkeit mitgctheilt wurde, gegen das Ende des sogenannten philosophischen Jahr- Hunderts unter der Herrschaft eines Josephs II. ins Leben getreten sei. Allein dies war auch der Schwanengesang der Intoleranz in diesem Lande! Wir werden von nun an über ganz andere Zustände Bericht zu erstatten haben. II. Bekanntllch waren die aufrührerischen Bewegungen gegen Oesterreich in den belgischen Provinzen kaum unter Leopold II., der seinem Bruder Joseph 1790 aus den Thron gefolgt war, einigermaßen gestillt und konnte Franz II. sich kaum der wieder hergeftelltcn Ruhe in diesem Lands 38*