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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-10-01 · Heft 13 (Oktober 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 13 (Oktober 1852)
Article
Briefe aus Belgien
Date
1852-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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500 Briefe aus Belgien. Sache unter die seltensten Ausnahmen zählen 1). Von der Judenverfolgung unter Herzog Wcnceslaus von Brabant in der Letzten Hälfte des eilsten Jahrhunderts bis zur Zeit Kaisers Joseph II. hatte keine jüdische Familie je die Erlaubniß erhalten sich in dwsem Lande auszuhalten, also viel weniger sich nieder zu kaffen. Dies muß indessen hauptsächlich von den eigentlichen belgischen Herzogtümern und Grafschaften verstanden werden; indem das zum deutschen Reich noch gehörige Herzogthum Luxemburg und das souveräne Bisthum Lüttich, so wie auch mehrere Ortschaften, welche damals nicht wie jetzt zu Belgien gehörten, sich in der religiösen Duldsamkeit wie in manchen anderen Hinsichten von Brabant keine Gesetze vorschreiben ließen, wodurch sich erklären läßt, daß in den Luxemburger Annalen öfters von Juden die Rede ist, welche zwar den nehm- Lichen Bedrückungen als Zoll, Kennzeichen u. dergl. wie ihre Glaubensbrüder in den übrigen deutschen Provinzen unterworfen, aber doch nicht überall förmlich mit den Folgen des Kirchenbannes bedroht waren. Während des spanisch-holländischen Krieges waren die Juden in den südniederländischen Provinzen den nämlichen Verfolgungen ausgefetzt wie die sogenannten Neu-Christen, gegen die die Edicte Karls V. und seines Sohnes besonders geschärft lauteten, zumal während der Negentschaft der über die Maßen fanatischen Großherzoge Albert und Jsabclla. Ja sogar nachdem die Republik der Vereinigten Niederlande den aus Spanien und Portugal vertriebenen und den später aus Italien dorthin geflüchteten Juden den vollkommensten Schutz zugesichert hatte, und obgleich mau sehr wohl wußte, daß der Staat sich dadurch nichts weniger als gefährdet sah, ward selbst während des 12 jährigen Waffenstillstandes den holländischen so wenig als allen andern Juden der Anfent- 1) Hr. Dr. Car IN o ly hat im ersten Bande seiner Revue Orientale (Dmxcllcs 1841) p. 42 sc(j. viel Fleth angewendet, um aus den Chroniken und anderen Werken über diesen Gegenstand alles einigermaßen Wissenswürdige zusammenzulragen, und besonders ausführliche Berichte über die manchfaltigen Plackereien, denen die Juden vor bent 14. Jahrhundert abseiten -er habsüchtigen Fürsten und fanatischen Geistlichen ausgesetzt waren, ferner die Beschuldtgungen in Folge der sogenannten schwarzen Pest im I. 1337 und die dort erwähnte Verfolgung wegen der Hostienentweihung im I. 1370, welche die gänzliche Vertreibung der Juden aus Brabant zur Folge hatte, mitzutheilen. Man darf allenfalls diesen Erzählungen nur einen bedingten Glauben schenken. Wir tragen aber um so weniger Bedenken unsere Leser darauf hinzuweisen, da wir ohnehin Manches in unserer Mittheilung zum Theit dem Berichte des Hrn. C. entlehnt haben. Nur:ist zu bedauern, das; der Verfasser bei der später» Entwickelung seiner Berichte zu sehr belheiligt war, um sich über die meisten Vorfälle die seiner Ankunft in Belgien unmittelbar vorhergegangen, mit der wünschcnswertt.en Unparteilichkeit zu äußern.'

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